Die Hand des Gorillas


Bloggerin: Frau Frogg


Wer eine sichtbare Behinderung hat, wird angestarrt. Das fühlt sich unbehaglich an. Wie kann frau damit umgehen?  Einfach ignorieren? Sich aufregen? Manchmal ist Humor das wirksamste Mittel, wie eine Anekdote von Carmen Coleman* zeigt.

Als Carmen klein war, hatte sie Kinderlähmung. Das schränkt sie beim Gehen ein. Sie wuchs in London auf. Mit Mitte zwanzig lernte sie Auto fahren. «Das war wie eine Befreiung für mich», erinnert sie sich. Plötzlich kam sie viel leichter in der ganzen Stadt herum. Aber es hatte einen Haken: Die Engländer hatten damals – wir schreiben die frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts – offenbar wenig Vertrauen in die Funktionstüchtigkeit ihrer Autos. Beim Abbiegen oder Spurwechsel musste jedeR nicht nur den Blinker betätigen, sondern zusätzlich ein Handzeichen geben. Nur: Carmen fuhr wegen ihrer Behinderung ein Auto mit Handgas und –bremse. Sie hatte keine Hand frei für Handzeichen. Deshalb musste sie hinten an ihrem Wagen ein Schildchen anbringen:«Disabled driver – no handsigns» («FahrerIn ist behindert – keine Handzeichen»). Unglaublich, aber wahr.

Immer, wenn Carmen auf einer mehrspurigen Strasse vor einer roten Ampel wartete, passierte dasselbe: Der Fahrer auf der Nebenspur zog auf gleiche Höhe und gaffte zu ihr herüber – jeder wollte sehen, was die Frau in diesem Auto für eine Behinderung hatte. Bald war Carmen es leid. Sie kaufte in einem Scherzartikelgeschäft eine Gorillahand und legte sie neben sich bereit. Wenn nun wieder so ein neugieriger Autolenker den Kopf zu ihr herüberdrehte, steckte sie die Hand in den Handschuh – und fuhr sich in einer verführerischen Geste durchs Haar. Da drehte der andere dann immer ruckartig und beschämt den Kopf weg.

 
So machte sich Carmen im Londoner Verkehr über taktlose MitautofahrerInnen lustig. Seither sind ein paar Jahre vergangen, und in der Schweiz ist sowieso vieles anders. Deshalb meine Frage an Euch LeserInnen im Rollstuhl oder mit anderen sichtbaren Behinderungen: Wie wehrt Ihr Euch gegen zudringliche Blicke? Antworten sind hier auf dem Blog als Kommentare sehr willkommen – oder auch auf Facebook oder per E-Mail: pfrogg (at) gmx.ch  

Die besten Ideen werden wir zu einem kleinen Ratgeber-Bog zusammenstellen. 




* Carmen Coleman ist die Präsidentin von avanti donne. 








12. April 2015 Selbst erlebt 2
Kommentar
Karin
super, das ist eine phantastische, fast schon würde ich sagen künstlerische Intervention. Macht mir grad sehr Freude mir das vorzustellen und ich würde mir wünschen ich hätte damals auch so eine kreative Idee gehabt. Mir war nur eingefallen, im Winter den Fingerhandschuh so anzuziehen, dass es aussah als hätte ich zwei verkehrte Hände, als wäre der Daumen auf der Handaußenseite. Es machte mir Spaß die Leute damit zu irritieren. Inzwischen bin ich älter und vielleicht ist das mit ein Grund warum ich nicht mehr so oft angestarrt werde, oder dass Menschen inzwischen kaum noch indiskrete Fragen stellen. Ein weiterer Grund ist sicher die positive gesellschaftliche Entwicklung. Die Kämpfe der Behindertenbewegungen, die Integration und Inklusion tragen ihre Früchte. Und darüber hinaus habe ich auch einen neuen Umgang gefunden, aber das ist eine andere Geschichte.
05.08.2015 12:44:30

Gaby S.
Coole Reaktion. Ich ärgere mich immer viel zu sehr über die Gafferei und mir fällt dann nichts ein. Tips fände ich nützlich - wer hat eine gute Idee?
13.05.2015 09:38:42

 
 
 
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