Unterwegs in Südamerika (I)


Bloggerin: Corinne


Mein Grossonkel war Missionar in Simbabwe. Schon als kleines Kind verspürte ich den grossen Wunsch, dort Freiwilligenarbeit zu leisten. Aber es kam anders. Mit 16 bekam ich die Diagnose Friedreich Ataxie. Seit sieben Jahren bin ich auf einen Rollstuhl angewiesen. Mit Hilfe kann ich ein paar wenige Schritte gehen, um zum Beispiel in einen Bus einzusteigen. Ich liebe es, die Welt zu entdecken, und meine meine Behinderung hält mich davon nicht ab.


2010 besuchte ich Australien, danach folgten noch einige Trips in Europa. Jetzt hatte ich wieder höllisches Fernweh. Mein Job gefiel mir nicht mehr so, und ich hatte wieder etwas Geld zusammengespart. Eine längere Reise nach Übersee schwebte mir vor. Nur: Wohin?
 
Die verschiedenen Reisebüros, die ich wegen der Vermittlung in ein Freiwilligenprojekt anfragte, sagten mir, Afrika wäre wegen mangelnder Infrastruktur für mich sehr, sehr schwierig. Pro Linguis schlug mir dann ein Projekt in einem Kinderheim in Buenos Aires, Argentinien, vor. Voraussetzung war, dass ich vorher in Buenos Aires Spanisch lerne.
 
In Australien hatte ich einen Brasilianer kennengelernt. Mit Rafael hatte ich per Facebook immer noch Kontakt. Brasilien war eigentlich auch schon immer eine Traumdestination von mir gewesen. So entstand die Idee, das eine mit dem anderen zu verbinden.
 
Also, mein Plan war: 1 Monat Brasilien, 2 Monate Arbentinien, davon 1 Monat Sprachschule und danach 1 Monat arbeiten im Kinderheim. Der letzte Monat war noch offen.
 
Nun ging es ans Vorbereiten. Ein Reisebüro in Zürich, das auf Brasilien spezialisiert ist, half mir. Ich wollte Recife besuchen, wo Rafael wohnt, Manaus (Amazonas), die Iguaçu-Wasserfälle und Rio de Janeiro.
 
Eine Freundin aus der Westschweiz erzählte mir von Michel, einem Schweizer Tetraplegiker aus Lausanne, der nach Brasilien ausgewandert ist sich dort einsetzt für Menschen mit einer Behinderung. Zudem hat er ein Projekt auf die Beine gestellt, dass auch Menschen mit einer Behinderung am schönen Strand baden gehen können.

Zusammen suchten wir im Internet nach der E-Mail Adresse von Michel. Wir wurden fündig, und ich schrieb ihm, dass ich nach Brasilien fliege und gerne sein Projekt besuchen möchte. Michel wohnt in Porto de Galinhas, unweit von Recife. Also könnte ich das doch verbinden. Michel lud mich zu sich nach Hause ein, obwohl ich ihn noch nie gesehen habe und er mich auch nicht.
 
Das Reisebüro organisierte mir in Manaus einen viertägigen Amazonastrip, in Iguaçu eine Führung zu den Wasserfällen von der argentinischen und der brasilianischen Seite und alle Inlandflüge in Brasilien. Von Rio de Janeiro würde ich dann nach Buenos Aires fliegen, dort war die Schule gebucht.
 
Die Unterkunft in Buenos Aires war ein Bed and Breakfast, von einer Schweizerin geführt. Diese versicherte mir mehrmals, es sei alles rollstuhlgängig. Das Projekt werde vor Ort organisiert, alles überhaupt kein Probelm...
 
Meine Wohnung in der Schweiz konnte ich für die Zeit meiner Abwesenheit glücklicherweise vermieten. Meinen Job hatte ich gekündigt. Nun stand dem nächsten Reiseabenteuer nichts mehr im Weg.
 
Das Packen war eine weitere Herausforderung, Medikamente für vier Monate, Arztzeugnisse, Bestätigungen und die Qual der Wahl, welche Kleider man mitnehmen will und kann.
 
Natürlich musste noch ein weisses Kleidchen gekauft werden, ich wollte ja in Brasilien Silvester feiern und da gehört weisse Kleidung dazu.
 
Nun war alles unter Dach und Fach und ich wurde immer nervöser. Am 28. Dezember brachten mich meine Eltern zum Flughafen. Sie hatten ein mulmiges Gefühl. Nach ein paar Abschiedstränen stieg ich in die Boeing 777 der TAP. Zürich-Lissabon, Lissabon-Recife...
 
Fortsetzung folgt!
 
 
 
 
09. August 2015 Selbstbestimmt 0
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