Wenn besondere Menschen gehen


Bloggerin: Vanessa


Zwei Menschen treffen aufeinander, lernen sich kennen und merken dabei, dass sie sich sehr ähnlich sind. Das Gefühl von tiefer Vertrautheit und Sicherheit macht sich breit. Man fühlt sich verstanden und akzeptiert. 

Ich selbst hatte schon mehrmals das Glück, genau solchen Seelenverwandten zu begegnen. Es sind meist Menschen, bei denen innert kurzer Zeit klar ist, dass man sich bedingungslos vertrauen kann. Man lässt seinen Schutzpanzer fallen. Man präsentiert dem Anderen das wohl Zerbrechlichste seiner selbst, nämlich sein wahres Ich.

Umso schmerzhafter ist es dann, wenn diese Personen, aus welchen Gründen auch immer, wieder fortgehen. Den naiven Glauben, dass ich solche Menschen für ewig halten kann, habe ich, schweren Herzens, irgendwann abgelegt. Jeder Mensch entwickelt sich weiter, niemand bleibt stehen, was wiederum bedeutet, dass Leute in dein Leben kommen und wieder gehen. Klar, ich freu mich jeweils für mein Gegenüber, wenn sie/er seinen oder ihren Zielen und Träumen folgt und deshalb neue Wege einschlägt. Diese Menschen inspirieren mich mitunter dazu. selbst das Beste aus meinem Leben zu machen und mich weiterzuentwickeln.

Wieso ist es manchmal so schwierig, so jemanden gehen zu lassen? Wahrscheinlich ist es die Ungewissheit, ob man diese Person je wieder sehen wird. Bestimmt kennt ihr Aussagen wie «Ja klar, wir bleiben in Kontakt!» Doch wer gibt einem diese Garantie? Denn wenn etwas garantiert ist, dann, dass es keine Garantie gibt. Damit sich der Kontakt nicht verflüchtigt, muss man also selbst aktiv werden und versuchen, sich mit diesem Menschen weiterhin zu treffen. Gut möglich, dass man sich im Lauf der Jahre dennoch aus den Augen verliert und sich entfremdet, doch dies ist ein anderes Thema. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Abschied leichter fällt, wenn man weiss, das Gegenüber ist am Fortbestehen des Kontaktes ebenso interessiert wie man selbst.

Normalerweise mag ich Veränderungen. Allerdings mag ich sie überhaupt nicht, wenn sie gleichzeitig Abschied eines tollen Menschen bedeuten. In Momenten des Abschieds verspüre ich ein Ziehen in der Brust und versuche aufkommende Tränen zu unterdrücken. Irgendwie fühle ich mich hilflos und eine diffuse Verlustangst keimt in mir hoch. Häufig versuche ich der anderen Person noch zu sagen, wie viel sie mir bedeutet und dass ich dieses und jenes sehr an ihr schätze. Leider finde ich in emotionalen Momenten selten die richtigen Worte. Ganz so, als könne man diese Verbundenheit nicht in Worte fassen. Verzweifelt versucht man die letzten Minuten irgendwie zu konservieren:  Das Einander-Halten, das zaghafte Lächeln, der letzte tiefe Blick, bevor man aus der Türe verschwindet. Ebenso wird der Impuls unterdrückt, nochmals umzukehren, die Person in die Arme zu schliessen und für immer festzuhalten. Tausend Gedanken rasen durch den Kopf: Was ist, wenn…? Bin ich der Person genau so wichtig wie sie mir? Konnte ich ihr alles sagen, was ich wollte? Wann werden wir uns wieder sehen? Werden wir uns überhaupt wieder sehen? Ein äusserst bewegender Moment…

Kürzlich sind einige Menschen aus meinem Leben verschwunden und klar, ich war bzw. bin traurig. Dennoch bin ich äusserst dankbar, dass ich diesen besonderen Menschen in meinem Leben begegnen durfte. Immer wenn Traurigkeit hochkommt, versuche ich mich an die besonders schönen und emotionalen Momente mit dieser Person zu erinnern und ich lächle – zwar etwas wehmütig, aber aus tiefer Zufriedenheit.

14. August 2016 Selbst erlebt 2
Kommentar
Frau Frogg
Sehr schöner Beitrag, Vanessa! Mir persönlicher fallen solche Abschiede schwerer, seit ich eine Behinderung habe. Früher war es ein Kommen und Gehen in meinem Leben, ich jonglierte gewissermassen mit meinen Freunden, um keine Verlustängste zu haben. Aber seit ich schlecht höre, merke ich umso mehr, wie wichtig die wenigen, wirklich guten Freunde sind!
03.09.2016 17:44:51

Dominique Mani
Sehr berührend geschriebener und treffender Beitrag! Es ging mir persönlich auch schon so...
20.08.2016 18:31:50

 
 
 
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