Blutwurst 2.0


Bloggerin: Frau Frogg


Wenn ich in meinem Büro telefoniere, tue ich das seit einigen Wochen mit einem neuen Gerät. Es ist ein Streamer mit dem Markennamen Compilot. Ich schalte ihn ein, und eine Frauenstimme sagt: «Compilot an.» Beende ich das Gespräch per Knopfdruck, sagt dieselbe Frauenstimme: «Blutwurst audio.» Ich muss jedes Mal lachen, aber zunächst dachte ich mir nichts dabei. Ich war einfach nur glücklich, dass ich überhaupt wieder telefonieren kann. Vorher hatte ich das gar nicht mehr gekonnt.

Compilot
Wunderding mit Blutwurst-Tic: der Compilot. .

Ich machte einen Hörtest und bekam es Schwarz auf Weiss. Da stand: «An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit». Ich brauchte ein neues Hörgerät – und dazu auch Zubehör zum Telefonieren. Meine Akustikerin verkaufte mir den Compiloten. Ich erspare Euch die technischen Details. Nur so viel: Ich musste das Ding mit dem Computer verbinden, denn im Büro telefonieren wir mit Skype. Den Compiloten mit einem Kabel an die Kiste anzuschliessen, sei ganz einfach, sagte die Frau. Ich versuchte es. Und siehe da: Ich konnte die Person am anderen Ende der Leitung hören, und zwar so klar und deutlich wie ich schon lange Zeit nichts mehr gehört hatte. Aber die andere Person hörte mich nicht. Überhaupt nicht. Sehr unbefriedigend.

Ich organisierte Tarik, unseren Mann vom Computer-Support. Ich erspare Euch eine Schilderung der Irrwege, die man machen muss, um einen Termin mit Tarik zu bekommen. Wichtig: Man muss dazu nach Zürich in die Zentrale telefonieren. Und das konnte ich ja gar nicht. Unsere Sekretärinnen mussten für mich zum Telefonhörer greifen, und zwar mehrmals.

Endlich kam Tarik. Er verbrachte 45 Minuten in meinem Büro. Er versuchte alles, um den Compiloten mit dem Kabel richtig zum Laufen zu bringen. Ich stand daneben, assistierte und brauchte Nerven. Es ging nicht. Tarik kam zwei Tage später nochmals – es ging immer noch nicht. Schliesslich kam er nochmals und sagte: «Ich weiss jetzt, was du machen musst: Du brauchst einen Bluetoothadapter.»

Also kaufte ich einen solchen Adapter. Und siehe da, es ging. Von da an hörte ich die rätselhafte Frauenstimme «Blutwurst Audio» sagen. Ich lachte und war froh und telefonierte so viel wie möglich. Hörende können sich gar nicht vorstellen, wie erfrischend es ist, normal telefonieren zu können.

Erst nach Wochen begann ich zu rätseln: Was heisst «Blutwurst audio»? Fragen konnte ich niemanden, denn ausser mir kann das Gerät niemand benützen. Eines Tages sah ich beim Sinnieren das kleine, blaue Licht an meinem Adapter, und da ging mir das Licht auf: Die Frauenstimme sagt «Bluetooth-Audio».

 

11. August 2019 Selbst erlebt 0
Kommentar
Blog post currently doesn't have any comments.
 
 
 
Newsletter abonnieren
Required form 'Newsletterabonnieren' does not exist.
Kategorien
Highlights
Blutwurst 2.0
 
Wohin mit Jimi, Mick und all den andern?
 
Mein Leben mit und ohne
 
Diese unverwüstliche Neugier auf die Welt
 
​Wie wir Nicht-Behinderte gerne hätten
 
Survival Guide für die Festtage
 
Bitte kommen SIE nicht!
 
Ein unerwünschtes Geschenk
 
Der unsichtbare Feind
 
Archiv