Bitte trocken bleiben


Bloggerin: Rollschtimama


Auch die Rollstimama fährt regelmässig zum Coiffeur. Es ist ihr nämlich sehr wichtig, sich zu pflegen und ein dadurch einigermassen gesundes Selbstwertgefühl zu erhalten.
Genauso hält sie Sorge zu ihrem häuslichen Umfeld: Sie braucht ein gewisses Mass an Ästhetik, um sich einigermassen wohl zu fühlen. Dieses steigert sich progressiv, je kränker und hilfsbedürftiger sie ist. Sie glaubt fest daran, dass dies regelrechte Grundbedürfnisse sind und schon ihre Berechtigung haben; ja eigentlich lebensnotwendige Massnahmen sind.
 
Vor einigen Jahren hat sie einen Coiffeur aufgespürt, der über einen Parkplatz verfügt, einigermassen ebenerdig ist, gut mit langen Haaren kann und sogar nicht nur diese üblichen Coiffeurcoiffeusen anstellt, mit denen frau nur über das aktuelle «Gala» diskutieren kann.

Die Rollstimama schleppte also abwechslungsweise sich selbst oder eines ihrer Kinder in diesen Salon und liess die Coiffeusen gewähren und schien geduldet.
Wenn sie dann mal musste, stemmte sie sich mit ihren Arthrosehandgelenken aus dem Rollschti, wagte den todesmutig grossen Schritt gegen Kellerabgangstür, tauchte ab in die extrem steile, gewundene Kellertreppe in schummrigem Licht und winkte notgedrungen alle dargebotene Hilfe dankend ab.

Dann konnte sie eines Tages den Gang zur Toilette nicht mehr bewältigen. Sie überlegte zuhause hin und her, wie sie ihr Grundbedürfnis einerseits ignorieren oder doch überwältigen könnte. Sie hatte sich bereits vorher möglichst wenig Flüssigkeiten zugeführt und rollte fröhlich auf eine neue Coiffeuse zu. Alles verlief nach Plan bis: Sie nach dem Kaffee dann leider doch mal musste. Behutsam weihte sie die verständnisvolle Coiffeuse in ihr Geheimnis ein und rollte mit dem weiten, schwarzen Coiffeurmäntelchen ins Backoffice. Gut abgeschirmt holte sie ihr Schiffchen (Damentopf) hervor und bat die Friseurin, ihr beim Geschäft behilflich zu sein. Genau in diesem eh schon superpeinlichen Moment trampte die Chefin herein und wunderte sich offensichtlich. Gewohnt offenherzig bekundete die Rollschtimama nicht sehr überzeugend: Ich steck grad mitten in der Scheisse, ehem, ich meine. ja klar! Alles bestens!
Noch föhnen, noch danken und noch bezahlen und neuen Termin vereinbaren und nichts wie weg hier.



Einen Tag danach klingelte das Handy: Nicht sehr wortgewandt, aber trotzdem eindeutig: DIE Chefin war am Apparat. «Also ich würde mir wünschen, dass das nicht mehr vorkommt, Rollschtimama. Trinken Sie doch bitte drei Stunden vorher nichts, bevor Sie uns besuchen. Es ist rein aus hygienischen Gründen, Sie verstehen, oder etwa nicht...?» Zum Glück blieb die Rollschtimama ganz ruhig. Seither verblinkt ihr «Drink-water»-App noch penetranter auf ihrem Smartphone...



11. Januar 2015 Selbst erlebt 1
Kommentar
Vanessa
:-) Hab selten so gelacht - danke Rollschtimama!
13.01.2015 15:52:49

 
 
 
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