Bitte kommen SIE nicht!


Bloggerin: Rollschtimama
 

Sich einiger Hürden gewohnt, machte sich Rollschtimama unlängst auf den Weg, in ihrer Stadt mit ihrem älteren Spunggi die Zauberflöte von W.A.Mozart zu geniessen. Hohe Kultur, sicherer Wert, leicht verdauliche Hochkultur auf dem Spielplan. Absolut jugendfrei.
 
Der Spunggi, inzwischen 9 Jahre alt, wäre vermutlich jetzt bereit für eine solche kulturelle Herausforderung und Bildung. Die Rollschtimama hat sich dem Spunggi eigentlich noch nie geoutet, dass sie neben Rock, Jazz und Pop auch ein grosses Faible für klassische Musik hat. Sogar im Schaupielhaus gearbeitet und ernsthaft überlegt hat, in Wien Bühnenbild zu studieren.
 
Item. Die Rollschtimama, ging wie folgt vor:

Vorsichtiges Mail ans Opernhaus Zürich:
«Behinderte Person plus Minderjähriger suchen ein Ticket für die Zauberflöte.» 
 
Vorsichtig ging sie vor, da bereits geübt vom Schauspielhaus Zürich und dessen Politik bei den Kindermärchen vor Weihnachten: Ultrakompliziert, am Ende ultrateuer und unbefriedigend, da wir nicht beieinander sitzen konnten aus feuerpolizeilichen Gründen. 

Naja, erklären Sie Ihrem Kind mal feuerpolizeilich, weshalb die Mama auf einem abgesperrten Podest, ausgestellt und von allen beäugt, und das 6-jährige Kind mausbeinalleine auf einem Sperrsitz die Vorstellung anschauen soll. Kommentar überflüssigst. Das versteht keine Maus, kein Mensch, kein Kind und KEINE behinderte Rollschtimama. Das ist nur: Verblendung, Feigheit, Unwollen, sich einzufühlen und puuuuurste Diskriminierung. PUKE!!! Wir gingen trotzdem hin, haben uns aber nicht entspannt in den aufoktroyierteen feuerpolizeilich einwandfreien Vorstellungen von «Pünktchen und Anton» & «Die Odysee für Kinder»...
 
Zurück zum Opernhaus: Heute Nachmittag kam ein Anruf wegen meiner Anfrage per Mail.
Inhalt in etwa:
 
«Schwierig, schwierig, diese Konstellation. Eine Behinderte PLUS ein Minderjähriger. Also wir sind da komplett überfordert, wollen dies aber nicht ausdeutschen und schon gar nicht zugeben, sonst kriegen wir Ärger, aber, hören Sie mal, wie stellen Sie sich das eigentlich vor? Wir haben da Weisungen, und zwar extreme und diese Kombi, also bitte, das geht ja gar nicht, Sie überfordern mich da grundsätzlich, da müsste ich erst meine Cheffen fragen und noch Rücksprache nehmen mit der Feuerpolizei und dem Anwalt des Opernhauses und dem zuständigen Regierungsrat, der gesamten Schweizer Armee, dem zuständigen Bundesrat... Also am Ende lande ich bei der UNO. Die haben nämlich eine MENSCHENRECHTSKONVENTION: FUCK! GLEICHSTELLUNG. Bitte kommen SIE nicht!!!
 
Das wird mir jetzt zu bunt und zu anstrengend. Besorgen Sie sich mit Ihrem Minderjährigen eine DVD, das können Sie sich dann in Ihrer rollstuhlgängigen und kinderfreundlichen Wohnung anschauen. Alles nicht subventioniert. Aber pssst, soll ja keiner wissen... Die Rollschtimama wird das schon schaukeln, die ist ja gewohnt, hart zu nehmen, gell! ZUM GLÜCK, da müssen wir ja nicht hinschauen, nicht handeln... BEQUEM! Prosit Feierabend.
 
Besten Dank und auf Nimmerwiederhören.
 
Fakt: Im Opernhaus Zürich müssen Behinderte einen ausgewachsenen Begleiter  zur Vorstellung mitbringen und BEZAHLEN. Sowohl den Eintritt als auch die Stunden der Anwesenheit.  Ähem: Kennen Sie zufällig die Zahlen der IV? Wissen Sie vielleicht gar,  was eine maximale Rente ausmacht? Ich meine jetzt nicht die Unfallopfer, die teilweise eine satte Suvarente plus Pensionskasse haben. Sondern die anderen, die mit der maximalen IV-Rente plus Ergänzungsleistungen dahin vegetieren.
 
Ich denke nein. Sonst kämen Sie nicht auf solche Gedanken.
Danke bestens, dass Sie so umsichtig sind. Und: Ich kenne leider bereits Ihre Anwort:
 
Also bitte, da müssen Sie jetzt aufhören, das sprengt die Grenzen, also da sind mir die Hände gebunden......... Danke, ade, tschüss...!

IHR steuerbezahltes Opernhaus Zürich.

Shame on YOU.
05. Juni 2016 Selbst erlebt 1
Kommentar
Billo Heinzpeter Studer
Haarsträubende Geschichte. Auch, weil sie hier sehr eindrücklich erzählt wird!
12.06.2016 13:18:54

 
 
 
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