Fit wie ein junger Hase


Bloggerin: Frau Frogg


In letzter Zeit denke ich oft daran, was man früher so über das Dasein Ü50 sagte. Zum Beispiel jene  gertenschlanke Freundin von mir, die vor zehn Jahren 50 wurde: «Frauen müssen sich mit 50 entscheiden – entweder das Gesicht oder der Körper.» Will heissen: Frau wird entweder dick und bekommt wegen Fettpolstern im Gesicht weniger Falten. Oder sie hält ihre Figur – und bekommt Runzeln. Oder, auch so eine früher verbreitete Weisheit: «Wenn du mit 50 am Morgen aufwachst und dir nichts wehtut, dann bist du tot.»

Ich bin zwar erst 49 1/2. Aber in letzter Zeit zwickt mir wieder bei jedem Schritt das rechte Knie. Und ich kämpfe einen aussichtslosen Kampf gegen zwei oder drei Kilo Speck. Noch sollte ich das nicht hinnehmen, denke ich. Ich sollte wieder ins Fitness-Center. Das hat auch schon gegen die Knieschmerzen geholfen. Und gegen die Fettpolster. Aber dann habe ich wieder diese Menière-Anfälle – mir dreht sich alles, und manchmal muss ich kotzen. Ich will doch nicht wie eine Besoffene vom Rudergerät fallen vor all den jungen Göttinnen auf dem Stepper, denk ich. Gott, wäre das peinlich! Ich zögere. Ich prokrastiniere. Ich bin doch so furchtbar schwerhörig. Muss ich mir das wirklich antun?

Dann traf ich neulich im Bus eine Bekannte, die noch viel schwerhöriger ist als ich – und ganz bestimmt jenseits der 50. Seit einiger Zeit trägt sie ein Cochlea-Implantat, ein künstliches Innenohr. Es war abends um zehn Uhr. Am Bahnhof mussten wir beide umsteigen. «Da vorne steht unser Bus!» rief sie noch, hechtete hinaus und sprintete voran wie ein junger Hase. Ich bekam schon  beim Aussteigen einen derart giftigen Gruss von meinem rechten Knie, dass ich aufjaulte und nur noch lahm hinterherhoppeln konnte. «Najaaa, man darf ihn doch nicht abfahren lassen. Sonst warten wir nachher wieder 20 Minuten!», sagte sie, als ich sie endlich einholte.

Nächste Woche gehe ich doch wieder ins Fitness-Center, dachte ich. Aber das ist jetzt wieder eine Woche her. Ich bilde mir ein dass ich noch nachdenke – darüber, ob ich mich vom Jugendlichkeitswahn terrorisieren lassen soll. Und darüber, ob ich mich nicht vielleicht doch wegen Schwindelgefahr schonen sollte. Aber im Grunde weiss ich: Ich bin einfach zu faul. 
15. März 2015 Selbst erlebt 1
Kommentar
Mona
Danke, wunderbar beschrieben.
Kommt mir ja soooo bekannt vor. Auf die Dauer hilft wohl nur Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. (Seufz.)
03.05.2015 16:54:40

 
 
 
Newsletter abonnieren
Required form 'Newsletterabonnieren' does not exist.
Kategorien
Highlights
Stillsitzen lernen
 
Über die Liebe sprechen
 
Schluss mit Gedanken-Hüpfis!
 
Am Marsch der Frauen
 
Schrittezähler und Selbstoptimierer
 
Mittagessen mit Lou
 
Survival Guide für die Festtage
 
Leben – Alltagstrott oder Abenteuer?
 
Theater mit Untertiteln
 
Ferien
 
Die Angst in Wien
 
Wer nicht schweigen will, muss fühlen
 
10 Überlebenstipps für Menière-Patienten
 
Wenn besondere Menschen gehen
 
Das Windrad stoppen
 
Auf die Strasse, Leute!
 
Fussball mit Rollschtimama? No way.
 
Hilfe, Kuhaugenalarm!
 
Die Seite gewechselt
 
Bitte kommen SIE nicht!
 
WC-Besuch, Schweiz, 2016
 
Kraftmeier und andere Typen
 
Der Behinderten-Bonus
 
Wie ist es eigentlich...?
 
Unterwegs in Südamerika (I)
 
Abenteuer-Ferien zu Dritt
 
Die Hand des Gorillas
 
Frau Professor und der Anstand
 
Das Gute daran
 
Kommunikatzion
 
Darüber reden
 
Der unsichtbare Feind
 
Ein ganzes halbes Jahr
 
Erinnerungen ... werd ich alt?
 
Zimmer
 
Freunde
 
Party – träumst du noch oder gehst du schon?
 
Archiv