Kleider machen Leute – rote Kleider machen selbstbewusst

Bloggerin: Vanessa


Hallo zusammen. Schön, euch auf dem avanti Blog anzutreffen! Erinnert ihr euch noch, was ich am Ende meines letzten Blogbeitrags geschrieben habe? Genau – ich forderte euch auf, mehr unter Leute zu gehen.

Doch was ist, wenn man nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzt und sich etwas schwer tut mit anderen Menschen in Kontakt zu treten? Dieses Gefühl kenn ich sehr gut, mir erging es früher oft so. Ich war äusserst schüchtern, redete nicht viel und hielt mich auch sonst eher im Hintergrund. In einer Gruppe war ich stets diejenige, die zuhörte, und sich ihren Teil dachte. Häufig verunsicherte mich die Meinung anderer.

Doch je älter ich wurde, desto mehr wuchs auch mein Selbstbewusstsein. Mir wurde auch klar, dass ich als Rollstuhlfahrerin unweigerlich auffalle, ob ich dies nun wollte oder nicht. So fasste ich kurz vor dem Barstreet Festival folgenden Entschluss: Vanessa, kauf dir ein Kleid, mit dem du garantiert auffällst! Ich wollte einfach nicht mehr nur wegen meines Rollis die Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Nein, ich wollte, dass mich die Leute als Frau wahrnehmen, als eine Frau, die sich selbstbewusst präsentiert. Normalerweise wenn ich ausging, kleidete ich mich zwar chic, aber nicht zu aufdringlich. Doch dies Mal sollte es anders sein…

Ein paar Tage vor dem Event ging ich zusammen mit einer Kollegin shoppen, und schon bald hatte ich  das perfekte Kleid gefunden. Zuhause nahm ich das Kleid aus der Tüte und zack waren sie da –  die ersten Selbstzweifel. Ist das nicht too much? Kann ich mich wirklich so in der Öffentlichkeit zeigen? Kurze Beschreibung des besagten Kleids: Es ist rot (besser gesagt knallrot!), relativ kurz  und eng geschnitten und das Dekolleté ist mit Spitzen ausgearbeitet. Dennoch zog ich es an und betrachtete mich selbstkritisch im Spiegel. Je länger ich mein Ebenbild in der gewagten Aufmachung anschaute, desto mehr verliess mich der Mut. Nein, das geht so nicht! Such dir was anderes aus!
 
Diese Gedankenspiele gingen noch eine Weile hin und her, bis ich schliesslich zu mir sagte: Hey, no risk, no fun! Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel, und etwa eine Stunde später sass ich dann da: Im roten Kleid, anfangs noch schüchtern, bis ich die ersten  positiven Feedbacks von Bekannten bekam. Langsam wich die Angst einem gewissen Stolz. Ich fühlte mich gut, wurde von verschiedensten Menschen angesprochen.

Die Stimmung war sehr ausgelassen, bis sie auf einmal zu kippen drohte. Eine mir nicht bekannte Frau tippte mir auf die Schulter mit den Worten: «Ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber wenn ich Ihnen was sagen darf ...» – Oh nein, ich ahnte es schon; gleich kommt ein niederschmetternder Kommentar, der mir den Abend vermiesen wird. Spannung lag in der Luft und ich musterte sie kritisch. Die Frau lächelte und sagte: «Sie sehen echt toll aus, und das Kleid steht Ihnen.» Wow, da war ich aber platt! Noch bevor mein Kiefer auszuhängen drohte, stammelte ich ein leises Dankeschön.

Es war ein unvergesslicher Abend, an dem ich begriff: Werde dir deiner Schönheit bewusst und sie wird auch von anderen wahrgenommen! Hast du ein Lieblingsoutfit, indem du dich einfach toll fühlst? Zieh es mal bei der nächsten Gelegenheit an, und du bekommst Unmengen an Komplimenten, glaub’s mir!
 
 
 
 
 
14. November 2014 Frau sein 0
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