Dolma


Bloggerin: Rollschtimama

 
Dolma ist seit eineinhalb Jahren meine Putzfrau. Dolma ist Exil-Tibeterin, Anfang 50 und Buddhistin. Sie ist verwitwet und hat drei Mädchen. Sie wurde mir von einer Nachbarin empfohlen mit den Worten: Sie putzt vielleicht nicht extrem gut, aber sie bringt einen guten Geist ins Haus. Dies hatte mich sofort überzeugt. Seither putzt Dolma zwei Mal pro Monat Rollschtimamas Wohnung, die auch von den beiden Spunggies und dem Ex bevölkert und bekleckert wird. Sie hatte schon etliche Putzfrauen, immer Immigrantinnen, mehrheitlich aus Portugal und Spanien. Rollschtimama hat sich sogar «Putzlisten» auf Portugiesisch übersetzen lassen, damit es mit der Verständigung und dem gewünschten Resultat klappt. Sie legt ausserdem extremen Wert auf korrektes Recycling, was so manche Nichtschweizer tüchtig herausfordert. Rollschtimama hat dann jeweils angekreuzelt, was die Putzhilfe bitte zu tun hatte.
 
Rollschtimama findet, es ist sehr schwierig eine gute Putzfrau zu finden. Im Moment ist sie mit ihrer Dolma sehr zufrieden. Denn Dolma eröffnet ihr eine neue Welt, nämlich die tibetische und die buddhistische. Zum Beispiel, hat sie gelernt, dass sie  sie keinen Läusespray auf die verlausten Pflanzen sprühen darf, weil sie keine Tiere töten will.

Zwar verstehe ich sie verbal kaum, aber glücklicherweise betreut sie auch noch spitexresistente, demente Personen, gibt ihnen zu Essen, duscht sie und schaut sonst zum Rechten. Wenn bei Rollschtimama wieder mal keine Spitex kommt (trotz Einsatzplan), wird sie von Dolma gewaschen und gepflegt. Sie macht mir natürlich auch meinen frischen Ingwertee ohne zu diskutieren warum. Dabei zeigt Dolma weitaus mehr Verständnis für behinderte Menschen als Rollschtimamas Balkanprivatspitex, die ja auch schlecht Deutsch sprechen und verstehen, in der Regel aber wenig empathisch sind, was alles sehr verkompliziert.
 
Beim letzten Besuch war Dolma leicht überdreht und erzählte sprudelnd ihre Erfahrungen mit anderen Klienten. Zwischenzeitlich versuchte Rollschtimama ihre Wünsche und Bedürfnisse anzubringen. Plötzlich klingelte Dolmas Händy, und sie schnauzte etwas auf Tibetisch ins Telefon. Ich schaute sie an und fragte: War das deine Tochter? Wir waren gerade dabei, die Küche aufzuräumen. Ja, sagte sie und lachte. Dann wechselten wir beide nach draussen und räumten den Balkonschrank aus und entsorgten gemeinsam Dinge, die überflüssig geworden waren.
 
Erneut brummte Dolmas Händy: Wieder lautes, angeregtes Tibetisch und viele Emotionen. Als sie aufgehängt hatte, war sie überglücklich: Sie habe vor einem Jahr 150’000 Franken als Spenden nach Tibet geschickt. Das haben sie und ihre drei Töchter sich vom Mund abgespart. Sie überwies das Geld nach China auf eine Bank (Tibeter haben keine Banken in Tibet, alles geht via China, das Thema Chinesen werde ich ein anderes Mal aus meiner Sicht beschreiben) und dort wurde es von den Chinesen ein ganzes Jahr eingefroren. Der Anrufer verkündete ihr, dass das Bankkonto und damit die grosse Spende für ihre Landsleute wieder geöffnet worden war.
 
Dolma ermöglicht so ein paar Kindern aus ihrem Heimatdorf eine Schulbildung in der Stadt und dazu eine Wohnmöglichkeit.

 
Schulklasse in Tibet.
08. November 2017 Leute 0
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