Dieses Gesetz macht Menschen krank


Bloggerin: Irene (*)

 
Ich lebe seit 20 Jahren mit einer Autoimmunkrankheit. Diese löst zahlreiche schwere Symptome aus. Doch derzeit sieht man mir meine Beschwerden nicht an. Mir verursacht die Aussicht auf das Überwachungs-Gesetz eine Art diffuse Übelkeit. Ich beobachte, wie ich mir das Leben zu verbieten beginne. Wenn meine Neurologin mir sagt, dass ich krankgeschrieben sei und kein Lebensverbot hätte, beruhigt mich das in der gegenwärtigen Debatte nicht.
 
 

Versicherungen sollten Leute im Schadensfall finanziell absichern und beruhigen, das ist ihr Zweck. Doch mit der geplanten Überwachung, die Willkür zulässt und sehr weit geht, geschieht das Gegenteil. In meinem Umfeld stelle ich eine zunehmende Verunsicherung fest. Wer definiert, was ich noch darf und was nicht? Der Versicherungsdirektor? Der Detektiv?

Nicht nur wir Betroffenen werden unter Generalverdacht gestellt, sondern zunehmend auch die Ärzteschaft gleich mit. Verschiedene Fälle zeigen, dass ein Vertrauensarzt, der von den Versicherungen engagiert ist, mehr Gewicht in seiner Beurteilung bekommt, als ein persönlicher, über Jahre eine Patientin betreuender Arzt.
 
Gibt es irgendwo einen «Katalog» zu den jeweiligen Krankheiten, der besagt, was noch erlaubt ist, und was nicht? Viele Krankheiten sind komplex. Darf ich noch mit dem Velo Einkaufen fahren und hin und wieder mit dem Rollkoffer ein paar Tage weg und Freunde besuchen? Am Abend ins Kino gehen, mit Freundinnen lachen und mich – nebst all den Sorgen und dem jahrelangen Leid – auch einmal amüsieren? Darf ich jede Woche einen anderthalbstündigen ehrenamtlichen Einsatz leisten? Oder könnte das die Nachbarschaft oder irgendjemand alarmieren?
 

NIcht das Schlafzimmer ist für IV-RentnerInnen gefährlich, sondern Balkon und Garten.
Denn hier dürfen Detektive offiziell filmen und fotografieren.


Überhaupt: Warum verbringt diese 40-jährige Frau so viel Zeit liegend im Bett? Ist die faul und arbeitsscheu, man sieht ihr ja nichts an, was hat die denn eigentlich für ein Problem? Würde ein vermeintlicher Hinweis reichen als Verdacht, damit bald eine Drohne summt oder der Auslöser einer Kamera gedrückt wird, wenn ich auf dem Balkon beim Umtopfen oder anheben einer Pflanze gesehen werde? Darf ich das noch? Es ist nicht klar. Und das tut nicht gut!
 
Öffentlich in Erscheinung treten möchte ich nicht, nur nicht auffallen, möglichst unscheinbar bis unsichtbar leben, ist die Devise. Und nicht nur mir geht es so. Aber gerade jetzt im Abstimmungskampf würde es Gesichter und Geschichten brauchen. Selbst diese Zeilen zu schreiben, macht mir etwas Angst. Kann ich euch vertrauen?
 
Die Abstimmungsprognosen in der Zeitung machen mich nicht hoffnungsvoll. Auch stelle ich fest, dass die BürgerInnen grundsätzlichen unseren Behörden kaum Missstände zutrauen. Die machen schon nichts, was die nicht dürfen…  Und immer wieder höre ich: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Nur ein Kind kann das ernsthaft glauben.
Jedes Jahr werden 100 unschuldige Menschen während Wochen oder gar Monaten von Detektiven heimlich verfolgt. Dies im Nachhinein zu erfahren, zerstört das Vertrauen in unseren Staat, zwischen den Menschen und letztlich in das Leben.

Fazit: Wir ehrlichen IV-Bezügerinnen werden durch dieses Gesetz nicht geschützt. Es macht uns zusätzlich krank!


(*) Name und Altersangabe geändert.

Hinweis Redaktion: 
Auch die Schweizer Psychiater und Psychotherapeuten halten das Gesetz für gesundheitsschädigend.
Die Begründung könnt Ihr hier lesen.


 
03. November 2018 Politik 0
Kommentar
Blog post currently doesn't have any comments.
 
 
 
Newsletter abonnieren
Required form 'Newsletterabonnieren' does not exist.
Kategorien
Highlights
​Wie wir Nicht-Behinderte gerne hätten
 
Survival Guide für die Festtage
 
Bitte kommen SIE nicht!
 
Ein unerwünschtes Geschenk
 
Der unsichtbare Feind
 
Archiv