Auf falschem Kurs zum Kurs


Bloggerin: Vanessa


In der heutigen Zeit ist es unabdinglich, sich in der Technikwelt laufend upzudaten. Auch ich will auf dem neuesten Stand sein und melde mich an einen IT-Kurs an.

Bereits zwei Tage vor dem Schulungsbeginn drucke ich mir den Lageplan der Schule aus. Denn ich bin eine Frau mit ausgesprochen schlechtem Orientierungssinn. (Ja, das klingt jetzt total nach Klischee, ist aber so). Dafür weiss ich mir (meistens) zu helfen, wie ihr gleich erfahren werdet. So frage ich kurzerhand eine Kollegin, welche Anfahrtsmöglichkeit wohl die geeignetste sei. Leider ist sie in diesem Quartier wenig ortskundig, empfiehlt mir aber das Tram.

40 Minuten vor Kursbeginn sitze ich in besagtem Tram. Zeitlich bin ich gut dran, denn laut Fahrplan dauert die Fahrt nur 8 Minuten. Ihr müsst wissen, ich kann voller Überzeugung in die falsche Richtung losfahren und dabei noch ganz selbstsicher dreinschauen. Darum frage ich beim Aussteigen gleich den Chauffeur nach der Strasse. Er neigt den Kopf zur Seite und erklärt lächelnd: «Fahren Sie einfach gerade aus, die 2. Querstrasse wird es sein.» Ich nicke, fahre zielstrebig und guten Mutes los.

Doch die 2. Strasse geradeaus beginnt zwar mit dem richtigen Anfangsbuchstaben, ist aber definitiv nicht die gesuchte. «Ach, was soll’s», denke ich, «ich frage einfach die nächste Person, die mir entgegen kommt.» Eine freundliche junge Frau mit Kinderwägeli bekommt als erste den Lageplan unter die Nase gehalten. Sie verzieht das Gesicht und meint mit den Händen rumfuchtelnd: «Puh, irgendwo da, glaub ich.» Da mir diese Auskunft so gar nicht hilft, wiederholte ich die Frage bei drei weiteren Personen – ohne Erfolg.

Langsam werde ich nervös, und beim Blick auf meine Uhr unterdrücke ich einen Aufschrei. Nur noch 12 Minuten! Dieser Dienstag definiert sich als richtiger Herbsttag; kalt, grau und entsprechend wenig Leute, die sich freiwillig aus dem Haus wagen. In der Hoffnung, die gesuchte Strasse  doch noch zufällig zu entdecken, verrenke ich meinen Kopf in alle Himmelsrichtungen. Nichts.  Als nächster schlendert ein Businessman mit Aktentasche gemütlich an mir vorbei. «Tschuldigung, können Sie mir helfen?» – Leicht verwirrt fragt er zurück: «Do you speak English?» Ach nee, hat mir gerade noch gefehlt! Hastig krame ich den Lageplan hervor und strecke ihn dem Mann hin. «This is the map...» – Hochkonzentriert versucht er, die deutschen Strassennamen zu lesen. Wäh, was ist das?! Ein Platzregen! Mir ist zum Heulen. He, was zum ... Entgeistert starre ich auf den Plan. Der Aktentaschenmann hält die eine Hälfte des Plans in der Hand und ich die andere. Kleinlaut korrigiere ich «Sorry, I mean, this was the map.» Ich krame erneut in der Tasche und finde die Nummer des Kursveranstalters. Der Empfangsdame sage ich, dass ich mich verspäten werde und bitte sie um eine kurze Wegbeschreibung. «Loset Sie, ich bi leider au nöd vo da, ich chan Ihne nöd genau säge, wo's dure gaht.»

Stärneföifi! Ist denn das zu fassen...?! Aber Moment, was seh ich da weit in der Ferne? Ein kleines, blaues Schild mit dem langersehnten Strassennamen! Freudig wippte ich in meinem Rollstuhl auf und ab. Da hab ich wohl gerade mein blaues (Schild-)Wunder erlebt.

Nass und ausser Atem stehe ich kurze Zeit später im IT-Raum. Die Kursleiterin schaut mich mitleidend an und schickt sich netterweise gleich an, mich zum einzigen noch leeren Pult zu schieben. Zwischenfrage: Kennt ihr die Kabelabdeckungen am Boden, so Schwellen? Sie schiebt mich beherzt da drüber. Nur doof, dass meine Handtasche noch offen ist. Und so ergiesst sich der ganze Tascheninhalt, von Nastüechli, Schreibzeug bis hin zu Kaugummi, grossräumig im Zimmer!

Na, schlimmer als die Anfahrt kann die Schulung kaum werden. Pha, die nächsten Stunden werden glatt ein Kinderspiel.
 
 
11. Oktober 2015 Selbst erlebt 1
Kommentar
Oceana
Super Text, Vanessa! Mir ging es auch schon so, das ist dir ja bekannt :-)
13.10.2015 20:25:19

 
 
 
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