Wien, erstklassig und erster Klasse

Bloggerin: Vanessa


Bravo, ÖBB!
Nach einer sanften Landung in Wien folgte die unsanfte Erkenntnis, dass die S-Bahn in Richtung Westbahnhof, wo unser Hotel war, kein Niederflurzug war. Etwas frustriert sahen meine Kollegin und ich zu, wie die Bahn ohne uns davonfuhr. Kurz darauf kam ein Regio Express, der zwar zum Westbahnhof fuhr, doch auch dieser schien für Rollifahrer nicht wirklich geeignet zu sein. Die Schaffnerin kam auf uns zu und fragte, ob sie uns denn mitnehmen könne. Etwas verwirrt schüttelten wir den Kopf, da ich im Rollstuhl ja nicht hätte einsteigen können.

Doch die Schaffnerin öffnete die Wagontür, und zum Vorschein kam ein faltbarer, hydraulischer Lift. Wow, so etwas hatte ich doch noch nie gesehen. Bravo, ÖBB! Die Schaffnerin  lud mich ganz selbstverständlich in den Zug (in der Schweiz müsste man sich für Einstiegshilfe eine Stunde im Voraus anmelden). Wir waren baff und wurden im nächsten Moment gleich noch baffer. Nämlich als sie uns, ohne Aufpreis zu verlangen, einen Platz in der 1. Klasse anbot. Was für eine Ankunft… und das ganz ohne VIP-Ausweis :).

Zum Geburtstag Wise Guys und Schnitzel
Während dem Aufenthalt in Wien war auch mein Geburtstag. Zur Feier des Tages gingen wir ans Acappella-Konzert der Gruppe «wise guys». Ich liebe Menschen, die eine schöne Gesangstimme haben, da werde ich unweigerlich schwach. Die Kölner Jungs haben alles gegeben und mir obendrein eine Gänsehaut beschert.

Nach einem stimmungsvollen Nachmittag gab es noch ein paar Erinnerungsselfies während mich meine Kolleginnen mit Fan-Shirt und Biografie-Buch beschenkten. Was will man mehr?! Ah, doch, etwas fehlte noch zum perfekten Geburi – die Schnitzeljagd im Figlmüller, wo es bekanntlich die grössten und leckersten Schnitzel gibt. Wohl genährt und überglücklich liessen wir den Tag ausklingen.

Gedeckter Tisch im Restaurant, auf dem Teller ein grosses Wienerschnitzel.
 

Adrenalin-Schub im Prater
Ein Must-Go war der Besuch im Prater. Der Prater ist Wiens Vergnügungspark, wo es von Süssigkeiten und schnellen Achterbahnen nur so wimmelt. Als ich den schreienden Menschen so zusah, stieg in mir das Verlangen, mich ebenfalls auf so eine Adrenalin-Fahrt zu begeben. Gesagt, getan. Bald darauf sass ich da – mit zittrigen Knien und schwitzigen Händen liess ich mich auf eine Fahrt ins Ungewisse ein. Langsam setzten sich die Wägeli in Bewegung, wurden schneller und schneller, stiegen hinauf bis zum höchsten Punkt und stürzten in die Tiefe.  Ich schrie und schrie, so laut ich konnte… Nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Gewissheit: ich hab’s überstanden. Mein Herz pochte wie wild, ich war glücklich. Angetrieben von diesem Glücksgefühl, ging ich noch auf weitere Bahnen. Selbst als wir den Park schon lange verlassen hatten, spürte ich das Adrenalin in meinem Körper. Dieses Erlebnis ging unter die Haut.


Wien, Ansicht mit Riesenrat und Prater, im Hintergrund der Stephansdom
 

First Class nach Hause
Auch der tollste Städtetrip ist einmal zu Ende, und so standen wir beim Check-in am Flughafen, als mir der Schalterangestellte mitteilte, mein Swiss Trac (Zuggefährt) sei nicht angemeldet. Schreck lass nach! Zwei Wochen vor Reisebeginn hatte ich mich doch nochmals versichert, dass alles angemeldet ist. Nach einer Ewigkeit stellte sich heraus, dass der Fehler bei  der Fluggesellschaft lag. Sie hatte die Info nicht weitergeben. Zum Glück konnte trotzdem alles verfrachtet werden.

Als Bording-Time war, kamen special assistents, um uns zu unseren Sitzplätzen zu begleiten. Die Herren führten uns zu vollausgestattete Kabinen mit Ledersessel, riesigem Flachbildschirm, Garderobe… Das musste ein Missverständnis sein, was wir den Stewards auch sagten. Doch diese entgegneten uns, dass dies schon in Ordnung sei und fragten, ob wir Champagner trinken wollen. Total verwirrt starrte ich meine Kollegen an, das Fragezeichen über unseren Köpfen war deutlich zu sehen. Da kam der Chef de Cabine und klärte uns auf. Da die Fluggesellschaft vergessen hatte, meinen SwissTrac zu registrieren, hätten wir nun ein Upgrade zugut und könnten first class fliegen. So reisten wir ganz vornehm zurück in die Schweiz, wie auf Wolke 7.

Wien ist eine meiner Lieblingsstädte. Jetzt habt ihr eine Ahnung, warum. Ich jedenfalls kann Wien wärmstens empfehlen!

Eure Vanessa
 
PS: An alle, die schon mal in Wien waren: Was habt ihr denn so erlebt? Habt ihr gute Tipps – allgemein, und speziell, wenn man mit dem Rolli unterwegs ist? Lasst sie die anderen Leserinnen und Leser ebenfalls wissen und schreibt ein Feedback ins Kommentar-Feld.

 

25. September 2017 Selbst erlebt 0
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