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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

Die in der UNO-Konvention geforderten Verbesse- rungen der Lebenssituation behinderter Frauen und Mädchen sind deshalb auch in der Schweiz nötig, um den Grundsatz der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zu erfüllen (BEHIK Art. 3, Abs. g). Dieser Grundsatz ist eine obligatorische Querschnittverpflichtung für die Vertragsstaaten. Er bedeutet, dass Frauen und Männer alle genann- ten politischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte «de jure» und «de facto» gleichberechtigt wahrnehmen können müssen. BEHINDERUNG NEU DENKEN – MITTEL GERECHT AUF FRAUEN UND MÄNNER VERTEILEN Der Anspruch der tatsächlichen Gleichstellung ist in der schweizerischen Gesetzgebung zwar be- reits angelegt, wird aber wie gezeigt erst punktuell umgesetzt. Im Unterschied zur UNO-Konvention mit ihren zahlreichen Geschlechterreferenzen sind Frauen im Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) nur in Artikel 5 ausdrücklich erwähnt. Bund und Kantone sind zwar angehalten, bei den Mass- nahmen zur Beseitigung von Benachteiligungen den besonderen Bedürfnissen behinderter Frauen Rechnung zu tragen. Doch welches diese Bedürf- nisse sind, wer sie definiert und welche inhaltlichen Verpflichtungen mit Artikel 5 des BehiG verbunden sind, ist unklar. Da die Konvention unter anderem verlangt, dass öffentliche Gelder geschlechtergerecht ausge- geben werden, wäre auch hierzulande von allen Beteiligten ein Umdenken gefordert – von Ämtern, Behörden und Arbeitgebern, aber ebenso von Behindertenorganisationen. Auch im Sinn des Gender- und Disability-Mainstreaming (vgl. ­«Fazit», Seite 56) müsste vieles zwingend neu gedacht wer- den. Deshalb ist die UNO-Konvention eine grosse Hoffnungsträgerin für Frauen und Mädchen mit Behinderungen, auch und gerade in der Schweiz. Ihre Stellung ist im Vergleich zu anderen Ländern nämlich schwach. Dies zeigt die Geschichte der ­bisher einzigen Interessenvertretung für Frauen und Mädchen mit Behinderungen, avanti donne (vgl. ­Seite 45), deren Ressourcen nicht einmal für eine nationale ­Tätigkeit ausreichen. Die vier wichtigsten Ansätze der Menschen- rechte Das Leitmotiv «Unsere Welt ist ein Lebens- raum für alle Menschen» führt das neue Weltbild einer inklusiven Gesellschaft ein, das selbst­bestimmte Teilhabe in einem ­gemeinsamen Sozialraum ermöglicht. Die Erkenntnis «Wir sind eine wertvolle ­Vielfalt» löst das Idealbild von nicht ­behinderten leistungsstarken Menschen durch das Realbild der menschlichen ­­­­­Vielfalt ab. Der Grundsatz «Frauen und Männer sind gleichberechtigt und leben in unter­ schiedlichen Lebenssituationen» ergänzt das Menschenbild um die gleichberechtigte Beachtung der ­Frauenperspektive. Das Motto «Nichts über uns ohne uns» schreibt den Vertragsstaaten für alle ­politischen Konzepte und Entscheidungen die Partizipation der ­verschiedenen ­Interessenvertretungen vor.[14] 19 Die Verträge sind bereit zur Unterschrift.

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