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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

22 Bildung und Ausbildung: FundamentmitvielenUnbekannten Mädchen und Frauen mit Behinderungen stehen im Bildungssystem vor denselben Barrieren wie Jungen und Männer mit Behinderungen. Doch es gibt auch Unterschiede. Und viele ungeklärte Fragen. Günstige persönliche Voraussetzungen und ein bildungsfreundliches privates Umfeld, das sich über Normen und stereotype Erwartungen hinwegsetzt: Diese Konstellation war für Frauen mit Behinde- rungen lange die einzige Chance auf eine ihren Fähigkeiten entsprechende Bildung und Ausbildung. Zwar brachte die Invalidenversicherung (IV) Anfang der 1960er Jahre neben der Entschädigung für krankheits- oder behinderungsbedingten Er- werbsausfall auch das Recht auf Bildung für Kinder mit leichteren Behinderungen.[15] Bei der Ausbildung und der Arbeitsvergabe jedoch hatten Männer als (potenzielle) Fami- lienväter Vorrang. Den meisten Frauen blieben schlecht bezahlte Tätigkeiten ohne Aufstiegs­ chancen. Dass viele dieser Frauen im Leben auf sich allein gestellt waren, wurde nicht bedacht. Die Folgen dieser Sichtweise sind bis heute wirksam. (Vgl. Kapitel «Arbeit und Beschäftigung», Seite 29.) Eine Berufskarriere war für Frauen mit Behinderungen zwar nicht ausgeschlossen. Sogar ein Studium war möglich. Nur musste jede Frau selber schauen, wie sie zum Ziel kam.[16] SELBSTBEWUSSTE(RE) JUNGE Heute sind die Voraussetzungen deutlich besser: Die Geschlechter sind rechtlich gleichgestellt, ­Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen ist verboten. Auch für die schulische Integration gibt es inzwischen gesetzliche Grundlagen (wenn auch nur begrenzt ein einklagbares Recht darauf). Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) ver- langt, dass Bildungsangebote barrierefrei zugänglich sind. Die Umsetzung dieser Vorgabe löst Diskus­ sionen aus, die punktuell auch von den Medien auf- gegriffen werden. Eine positive Nebenwirkung davon ist, dass Lernende mit Behinderungen so auch für die breite Bevölkerung sichtbar werden. Immer mehr dieser jungen Menschen – Männer wie Frauen – mel- den, unterstützt von Behinder- tenorganisationen, ganz selbst- verständlich ihre Bedürfnisse an. Nicht mehr die Ausbildung an sich ist das vorherrschende Thema. Es geht vielmehr darum, dass Bildung und Ausbildung unter gerechten Bedingungen und unter Berücksichtigung der persön- lichen Fähigkeiten erworben werden können. BILDUNGSWESEN IM UMBRUCH Noch liegt der Fokus dabei auf der Zugänglichkeit respektive auf den physischen Barrieren, die es zu beseitigen gilt, sowie auf dem Nachteilsausgleich bei der Gestaltung von Bildungsangeboten. Kon- zepte für die Gleichstellung behinderter Men- schen im Bildungsbereich, die auch psychosoziale Aspekte und Geschlechterdifferenzen berück- sichtigen, gibt es bislang nicht. Den Bedarf an frauenspezifischen Massnahmen in der Aus- und Weiterbildung einzuschätzen, ist deshalb nicht einfach. Zum einen ist die Zielgruppe so heterogen und der Begriff ­«Behinderung» so vieldeutig, dass «Es geht darum, dass Bildung und Aus­ bildung unter ge- rechten Bedingungen erworben werden können.» EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN AUSGEWÄHLTE LEBENSBEREICHE UND THEMEN

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