Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

23 pauschale Aussagen über «Menschen mit Behin- derungen» ganz allgemein nur selten vertretbar sind. Zum andern befindet sich das gesamte Bildungswesen selbst in einem tiefgreifenden Wandel. ­Auf dieser gigantischen «Baustelle» ist Gleich­stellung ein Prozess unter vielen. Die fö- derale Struktur macht die Sache nicht einfacher. So handhaben die Kantone zum Beispiel die schulische Integration von Kindern mit Behinde- rungen sehr unterschiedlich. Aber auch Faktoren wie ­Alter, soziale Herkunft, Art der Behinderung und Zeitpunkt ihres Auftretens beeinflussen den Bildungsweg. AKTUELLE DATENLAGE UND TENDENZEN Tendenzen beim Geschlechterverhältnis im Zu­ gang zu Bildung und Ausbildung sind allerdings klar erkennbar. Laut Gleichstellungsplattform des BfS (2012) besuchen zum Beispiel drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine Sonderklasse und zwei Prozent eine Sonderschule. Der Anteil der Mädchen ist bei beiden Schulungsformen rund ein Drittel tiefer als jener der Jungen. Im Schweizer Durchschnitt sind Mädchen also schulisch besser integriert als Jungen. Anders liegen die Dinge beim höchsten formalen Schulabschluss: → 25 Prozent der Frauen und 18,6 Prozent der Männer mit Behinderungen geben als höchsten Abschluss die obligatorische Schule an. Bei den nicht behinderten Frauen beträgt der Anteil 20,6 Prozent und bei den Männern 16,4 Prozent. → Bei der Berufsbildung und den allgemeinbilden- den Schulen (Sekundarstufe II) liegen die Anteile aller Vergleichsgruppen um die 60 Prozent. → Eine (Fach-)Hochschule abgeschlossen haben 16,3 Prozent der Frauen und 20,8 Prozent der Männer mit Behinderungen. Bei den nicht be- hinderten Frauen sind es 20,8 Prozent, bei den nicht behinderten Männern 27,8 Prozent. BEHINDERUNG NUR BEGRENZT VON BEDEUTUNG Für den Grossteil der Befragten hatte die Behinde- rung allerdings keinen Einfluss auf den erreichten Abschluss, da sie erst später im Leben auftrat. Die Beziehung zwischen der Ausbildung und der Behin- derung kann sich zudem auch umkehren: Das Risiko, dass eine Person durch eine Behin- derung eingeschränkt werden kann, ist teilweise durch die Ausbildung beeinflusst, denn die Berufs- wahl ist abhängig von der Ausbildung, und unter- schiedliche Berufe weisen auch unterschiedliche Gesundheitsrisiken auf.[17] Zum Ausbildungsniveau von Frauen und Männern, die in Institutionen leben, gibt es keine Angaben. Auch zur Weiterbildung sind bislang nur die Zahlen aus der IV-Statistik erhältlich. ­Diese erfasst jedoch längst nicht alle Betroffenen. DEUTLICHE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN FRAUEN UND MÄNNERN Es zeigt sich also trotz einigen Wissenslücken, dass Frauen mit Behinderungen auch in der Schweiz noch nicht so gut ausgebildet sind wie die restliche Bevölkerung und auch weniger gut als Männer mit Behinderungen. Ein Bericht über das Lebenslagen­projekt von Gredig et. al. (vgl. Seite 13) bestätigt die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber auch die Bedeutung des Alters der Person sowie der Art ihrer Behinderung: In der Gruppe der IV-LeistungsbezügerInnen hatten Frauen und Personen zwischen 18 und 40 Jahren signifikant häufiger als Männer und ältere Per- sonen nur eine Anlehre absolviert, dafür seltener eine höhere Berufsausbildung genossen. Zudem hatten Menschen mit Beeinträchtigungen der inneren Organe ein überdurchschnittlich hohes und Menschen mit sogenannt geistiger Behinderung ein tiefes Bildungsniveau.[12]

Seitenübersicht