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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

25 MEHR ALS EINE EINKOMMENSQUELLE Bildung und Ausbildung nur unter dem Gesichts- punkt der Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt zu betrachten, wird weder den ­Menschen noch der Bildung gerecht. Gerade für Frauen und Männer mit Behinderungen geht es auch um Identitäts- findung, Selbstwert und Vertrauen in die eigenen Ressourcen sowie um gesellschaftliche Anerken- nung. Bildung und Ausbildung sind daher auch für Menschen mit Behinderungen Schlüsselfaktoren für die Gesundheit und das Bewältigungsvermögen. Allgemein­wissen und berufliche Fähigkeiten ermög- lichen es ihnen, ihre körperlichen Einschränkungen teilweise zu kompensieren sowie die oft als entwür- digend empfundene Abhängigkeit von Dritten zu verringern. Die subjektive Bedeutung von Bildung, Ausbildung und Beruf für Menschen mit Behinderungen wurde in der Schweiz bislang noch nicht differenziert ­untersucht.[18] Gespräche mit lern­behinderten und mit körperlich stark behinderten Frauen in der Peer-Beratung zeigen jedoch immer wieder, dass die Möglichkeit einer Ausbildung für diese Frauen oft von ebenso grosser Bedeutung ist wie für ­weniger stark beeinträchtigte Frauen. ZUGANG IST NOCH KEINE GLEICHSTELLUNG Zugang zu Bildung und Ausbildung ist das eine. Ebenso wichtig ist, was die Betroffenen auf ihrem Bildungsweg erleben. Das ist weitgehend unent- decktes Land. Offene Fragen sind etwa: → Sind Gleichstellung und Behinderung Themen im Alltag oder auch in Lehrmitteln und Projekten? Wenn ja, wie werden Menschen mit Behinderun- gen dargestellt? Als Jungen und Mädchen bzw. als Männer und Frauen? → Wie gehen Lehrkräfte verschiedener Stufen und andere Fachpersonen, etwa Schulsozialarbeiten- de, mit dem Thema und mit Betroffenen um? → Werden Mädchen und junge Frauen mit Behinde- rungen im Unterricht gleichberechtigt gefördert? Haben sie gleichberechtigten Zugang zu schu- lischen Präventionsprojekten? Wird ihnen bei der Vorbereitung der Berufswahl dasselbe Spektrum an ­Berufen zum Schnuppern angeboten wie den Schülerinnen und Schülern ohne Behinderung? Wie aktuell solche Fragen nach der praktischen Um- setzung des Gleichstellungsgebots im Bildungssek- tor nach wie vor sind, zeigt ein Forschungsprojekt von avanti donne, das derzeit mit der Unterstützung des EBGB realisiert wird (vgl. Seite 26). Die Aussagen in den für dieses Projekt geführten Interviews werfen letztlich auch die Frage auf, wie betroffene Mädchen und Frauen mit tatsächlichen oder empfundenen Benachteiligungen und Diskri- minierungen umgehen. Wie wehren sie sich gegen Verletzungen? Wer unterstützt sie dabei? Sich wehren können setzt Wissen über die eige- nen Rechte (und diejenigen der anderen) voraus. Das Menschenrecht auf Bildung gilt daher als ein Schlüssel für den Zugang zu weiteren Menschen- rechten. Die UNO-Behindertenrechtskonvention mit ihren zahlreichen Genderreferenzen ist deshalb auch für die Gleichstellung behinderter Frauen und Männer im Bereich Bildung und Ausbildung ein wertvoller Wegweiser. Empfehlungen aus Sicht der UNO-Konvention • Die Kantone müssen eine qualifizierte Stelle damit beauftragen, den gleichberechtigten Zugang von Mädchen und Frauen mit Behinde- rungen zu Bildung und Ausbildung zu analysie- ren, umzusetzen und zu überwachen. Die Stelle kann bei der Verwaltung oder bei einer Schul- aufsichtsbehörde angesiedelt sein. Die Aufgabe erfordert eine angemessene organisatorische, personelle und finanzielle Ausstattung. • Die Bildungspolitik, -berichterstattung und -statistik, alle Bildungsprogramme sowie das Bildungsbudget müssen geschlechts- und behinderungsspezifisch analysiert werden beziehungsweise von vornherein sichtbar ma- chen, wie der gleichberechtigte Zugang von behinderten Frauen und Mädchen bzw. Män- nern und Jungen sichergestellt wird (Gender und Disability Mainstreaming und Budgeting). • Für Massnahmen, die die Entfaltung, die Ent- wicklung und die Autonomie von Frauen mit Behinderungen fördern, müssen zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden.

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