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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

32 Vertrag, ungewöhnliche Arbeitszeiten, ­mehrere Erwerbstätigkeiten) scheint die Situation von Menschen mit und ohne Behinderungen insgesamt vergleichbar zu sein. DER CHEF IST (MEISTENS) EIN MANN Hingegen gibt es bei der Stellung im Betrieb deut- liche Unterschiede zwischen behinderten Frauen und behinderten Männern: 36 Prozent der erwerbs- tätigen Männer, aber nur 14 Prozent der erwerbs- tätigen Frauen mit Behinderungen sind in einer Vorgesetztenfunktion tätig. Auch sind mehr Männer als Frauen mit Behinderungen selbst­ständig und haben eigene Angestellte (5,5 gegenüber 2,8 Prozent). Zur Höhe der Einkommen liegen keine Zahlen vor. Frauen und Männer mit Behinderungen sind jedoch mit ihrer finanziellen Situation gleich zufrieden und insgesamt zudem fast so zufrieden wie Befragte ohne Behinderungen. Am wenigsten zufrieden sind Menschen mit einer starken Beeinträchtigung. In dieser Kategorie sind die Daten nicht nach Ge- schlecht aufgeschlüsselt. Auch BezügerInnen von Leistungen der IV sind mit ihrem Einkommen we- niger zufrieden als Menschen mit Behinderungen insgesamt. EINGLIEDERUNGSMASSNAHMEN FÜR FRAUEN DURCH DIE IV Dieser kleine Ausschnitt zeigt, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt für Frauen mit Behinderungen erschwert ist. Folglich müssten sie bei der Einglie- derung stärker unterstützt werden. Angesprochen ist hier auch die Invalidenversicherung, die seit der 4. und 5. IVG-Revision (2004/2008) Abklärungs- und Eingliederungsmassnahmen ins Zentrum ihrer Bemühungen stellt. Die IV-Statistik 2011 zeigt jedoch: Bei praktisch allen Leistungsarten, von den Frühinterventionen über die Hilfsmittel bis zur beruflichen Ausbil- dung, erhalten Männer insgesamt deutlich mehr Leistungen als Frauen. Einzig im Bereich Integra- tionsmassnahmen sind die Frauen gegenüber den Männern leicht im Vorteil. Mit total 23 Millionen Franken ist dies jedoch ein Nebenschauplatz. Insgesamt investierte die IV im Jahr 2011 rund 1,5 Milliarden Franken in die berufliche Einglie­ derung – 875 Millionen Franken für Männer und 592 Millionen für Frauen. QUALITATIVE ASPEKTE DER BERATUNG UND DAS ERLEBEN DER BETROFFENEN Zahlen sind das eine. Mit ihrer Hilfe lassen sich ge- schlechtsbedingte Unterschiede bei der Gleichstel- lung objektivieren und Handlungsbedarf nachwei- sen oder auch widerlegen. Auf der anderen Seite stehen qualitative Aspekte von Beratungen und Massnahmen. Im Bereich Arbeit und Eingliederung von Frauen mit Behin- derungen liegen in der Schweiz noch keine quali- tativen Untersuchungen vor. Erfahrungsberichte von betroffenen Frauen zeigen aber, dass sie beim (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben unterschiedlich gut unterstützt werden. Dies gilt für alle profes­ sionellen Akteure in diesem Bereich, also Sozi- alarbeiterInnen, ­ÄrztInnen, RechtsberaterInnen und SachbearbeiterInnen der Versicherungen (vgl. Beispiele auf Seite 34). Auch wenn die Berichte das Erleben und die Sicht der Betroffenen wiederge- ben, fallen Übereinstimmungen auf, die in Bezug auf Fragen der Gleichstellung relevant sind: → Die Qualität der Beratung ist stark von der zuständigen Fachperson abhängig, namentlich von ihrem Wissen über die Behinderungsart, dem Wissen über Berufe und Branchen, aber auch von ihren persönlichen Wertvorstellungen. → Die Rollenzuteilungen scheinen in diesem ­Sektor noch häufig nach dem alten Mann-Frau-­ Muster zu erfolgen. Anders ist es nicht zu er­ klären, dass auch jungen Frauen immer noch fast reflexartig zu sogenannten ­Frauenberufen geraten wird, unabhängig davon, ob diese Berufe auch den Interessen und Stärken der Frauen entsprechen, und ungeachtet der Situa- tion auf dem Arbeitsmarkt. Bei der Berufswahl sind deshalb jene jungen Frauen im Vorteil, die selbst oder mit Hilfe ihres privaten Umfelds Informationen beschaffen und sich für ihre Interessen wehren können. Der Spielraum im Berufsleben, wenn nicht im Lebensentwurf überhaupt, wird somit zu einer Frage der persönlichen Ressourcen und der sozialen Herkunft. EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN AUSGEWÄHLTE LEBENSBEREICHE UND THEMEN

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