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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

Berufliche Eingliederung: Erfahrungen 34 Beispiel 1: Marie-Louise, 52 Jahre, Anfrage für präventive Berufsberatung wegen fortschreitendem Hörverlust «Ich habe eine vererbte Innenohrschwerhörigkeit und trage zwei Hörgeräte. 2008 bekam ich nach zehn Jahren Beiträge an neue digitale Geräte. Bei dieser Gelegenheit fragte ich meine Ohrenärztin, ob es die Möglichkeit einer Berufsberatung bei der IV gebe. Ich arbeite als Lehrerin und dachte, ich müsste mich mit 52 kümmern um eine Weiterbil- dung oder Umschulung, falls mein Gehör weiter abnimmt. Die Ärztin reagierte unwirsch und sagte, ‹mit dem Gehör können Sie noch lange unterrich- ten›. Sie könne mir höchstens ein Papier schreiben, dass Kleinklassen für mich geeigneter seien. Ich finde die Lebensphase um 50 für die Weichen- stellung bezüglich AHV und Pensionskasse usw. entscheidend, und ich kenne Hörbehinderte, die wegen Überlastung ihr Pensum reduzieren mus- sten in den letzten Jahren vor der Pensionierung und dadurch sehr eingeschränkt sind in ihren Finanzen.» Beispiel 2: Claudia, 33 Jahre, Umschulung zur Psychologin nach Sehverlust infolge Unfall «Ich war 28 Jahre alt, als ich durch einen Unfall na- hezu alles Sehvermögen verlor. Ich arbeitete damals 100 Prozent «Die Beruf als Realschullehrerin auf der der IV solltOberstufe und war Praktikums- betreuerin an der Pädagogischen KlientInne Hochschule. im Sinn vo Zwei Monate nach dem Unfall Managemarbeitete ich wieder in meiner Klasse, doch jeweils nur die erste stützen.» Lektion am Morgen, da zu dieser Zeit das Augenlicht am besten ist. Die Augenärzte hatten mir sofort nach dem Unfall zur IV-Um- schulung geraten. Ich entschloss mich etwa sechs Monate später, diesem Rat zu folgen. Ich wurde der IV-Berufsberatung in X übergeben, da diese angeblich am besten mit Sehbehinderungen vertraut sei. Ich hatte mich selber schon informiert EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN AUSGEWÄHLTE LEBENSBEREICHE UND THEMEN sberatung e ihre n mehr n Case- ent unter- und wusste genau, was ich machen wollte. Ich war überzeugt davon, dass ich Psychologie studieren wollte, und sicher, das Studium und den Berufsall- tag zu packen. Die Beraterin führte mit mir aber trotzdem irgendwelche Tests durch und riet zu Berufen, die ich mir beim besten Willen nicht vor- stellen konnte. Ich sollte entweder eine Büro­lehre machen oder Masseurin werden, was ich nicht wollte, da beides Gebiete sind, die mir nicht liegen. Ich argumentierte damit, dass mir ein Beruf doch auch Freude machen sollte, schliesslich sei ich noch jung und wolle noch mög- lichst lange auf diesem Beruf arbeiten. Es nützte alles nichts. Man zeigte mir mit Äusse- rungen wie ‹Sie haben hier kein Wunschprogramm, wir entschei- den für Sie› und Ähnlichem, dass man mich nicht ernst nahm. Zum Schluss brach ich das Ge- spräch ab. Durch den Einsatz meines Anwalts darf ich heute Psychologie studieren. Mit meinen Mitstudieren- den habe ich in normaler Zeit das Bachelorstudi- um mit Bravour abgeschlossen und absolviere nun das Master­studium. Ich würde der IV dringend empfehlen, dass die BeraterInnen ihre Klientinnen und Klienten mehr Es muss nicht immer Büro oder Hauswirtschaft sein: Auch Frauen mit Behinderungen können in verschie- densten Berufen bestehen.

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