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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

35 im Sinn von Case-Management unterstützen, statt sie zu kontrollieren und bei Schwierigkeiten einfach an eine andere Stelle zu verweisen.» Beispiel 3: Eliane, 22 Jahre, Umschulung zur Kauffrau wegen zunehmender Körperbehinderung «Nach der Schule machte ich ein Familienjahr. In diesem Jahr wurde meine Krankheit, Friedreich- Ataxie, diagnostiziert. Damals war ich 16. Nach dem Familienjahr ging ich ins Tessin, um Italienisch zu lernen. Ich wollte eine Lehre als Medizinische Praxisassistentin oder als Pharmaassistentin absolvieren, obwohl die IV-Berufsberatung mir davon abgeraten hatte, weil meine Krankheit pro- gredient verläuft und ich irgendwann nicht mehr laufen kann. Nach dem Jahr im Tessin fand ich eine Lehrstelle als Pharmaassistentin in einer Apotheke. Nach einem Jahr hatte ich aber Stress mit meiner Chefin, und auch das lange Stehen bereitete mir zunehmend Mühe. Dann wurde das Lehrverhältnis beendet, und die IV schaltete sich ein. Mein erster IV-Berufsberater schickte mich in eine IV-Abklärung in den Appisberg nach Zürich. Dort wurden in der ersten Woche Tests durchgeführt zum Thema Wissen, Kreativität und Geschicklich- keit. Danach konnte man in verschiedenen Be- reichen schnuppern. Es gab Bereiche wie Metall, Holz, Elektrizität und Büro. Dort wurde ich sehr gut begleitet und beraten. Meinen ersten IV-Berater kannte ich schon seit der Diagnostizierung meiner Krankheit. Wir konnten aber nicht wirklich kommunizieren. Es kam mir vor, als würde ich nicht ernst genommen. Ich war 16, in der Pubertät, und für mich war es damals unvorstellbar, im Büro zu arbeiten. Er aber hatte die Absicht, mich ins Büro zu schicken, er hatte keine anderen Ideen und Vorschläge, was meine Berufs- wahl anging. Schliesslich machte ich doch eine Umschulung zur Kauffrau. Im Appisberg wurde ich darauf vorbe- reitet, und mir wurden verschiedene Richtungen gezeigt. Als Kleinkinderzieherin und im Büro konnte ich sogar schnuppern gehen. Das fand ich toll. Heute arbeite ich zu 90 Prozent als Assistentin der Geschäftsleitung eines Sportcenters.» EMPFEHLUNGEN AUS SICHT DER UNO-KONVENTION Mit Arbeit und Beschäftigung befasst sich Artikel 27 der BEHIK. Die Vertragsstaaten sollen be- hinderte Menschen vor Diskriminierungen bei der Anstellung, bei der Laufbahn und bei den Arbeitsbedingungen schützen und Chancen- gleichheit, gleiche Entlöhnung sowie sichere und gesunde Arbeitsbedingungen gewährleisten. Behinderte Menschen sollen Zugang zu Gewerk- schaften, Beratungsangeboten, Stellenvermitt- lung, Berufs- und Weiterbildungsmöglichkeiten und Rehabilitationsprogrammen haben. Und die Staaten sollen eine berufliche Selbstständigkeit behinderter Menschen fördern. Betroffene Fachfrauen des Vereins für Menschen- rechte und Gleichstellung e.V. haben die BEHIK aus Frauensicht unter die Lupe genommen. Mass- nahmen, damit behinderte Frauen das Recht auf Arbeit gleichberechtigt wahrnehmen können, sind unter anderem:[20] • Die Verankerung eines gesetzlichen Verbots der Benachteiligung von Frauen mit Behinde- rungen durch öffentliche und private Arbeit- geberInnen bei Einstellung, Fortbildung und Aufstiegsmöglichkeiten. • Die Evaluierung bestehender Arbeitsmarkt- programme und -gesetze im Hinblick auf ihre Wirkung auf Frauen mit Behinderungen. • Die geschlechtsspezifische Evaluierung von Förderprogrammen und Sozialleistungen für Menschen mit Behinderungen. • Berufliche Fördermassnahmen für behinderte Frauen zum Ausgleich von Benachteiligungen. • Die Förderung von Vereinen und Organisatio­ nen, die spezifische Beratung anbieten, Dis- kriminierungsfälle sammeln, analysieren und Handlungsempfehlungen ausarbeiten. • Das Erarbeiten eines Aktionsplans zur besseren Teilhabe behinderter Frauen am Arbeitsmarkt. • Die Bereitstellung von Geldern, die speziell für die Förderung der Entfaltung, der Entwicklung und der Stärkung der Autonomie von Frauen mit Behinderungen zur Sicherstellung ihrer Teilhabe am Arbeitsmarkt eingesetzt werden.

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