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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

Gesundheit: Ein Schlüsselbereich für die Gleichstellung Die Gesundheit von Frauen mit Behinderungen ist selten ein Thema. Zu Unrecht, denn Gesundheit ist auf vielfältige Weise mit Gleichstellung verwoben und betrifft letztlich alle Lebensbereiche. Informations- und Hand­lungsbedarf besteht im ­Gesundheitssystem ebenso wie ausserhalb. Wie Bildung, Arbeit und soziale Sicherheit ist auch Gesundheit ein Menschenrecht. Damit ist nicht das Recht auf Freiheit von Krankheit gemeint, sondern das Recht eines jeden Menschen auf das individuell höchstmögliche Mass an körperlicher und geistiger Gesundheit (vgl. «Stichwort: Gesundheit» auf Seite 38). Dieses Recht ist in Abkommen der UNO und der WHO verbrieft, zu denen sich auch die Schweiz bekannt hat.[21] Die UNO-Behindertenrechtskon- vention konkretisiert das Recht auf Gesundheit für Menschen, die mit einer Behinderung leben. Im Fokus stehen gesundheitliche Chancengleichheit sowie der gleichberechtigte Zugang zur Gesund- heitsversorgung.[22] Um sich dem hohen Ziel der bestmöglichen Ge- sundheit anzunähern und entsprechende Mass- nahmen zugunsten von Menschen mit Behinde- rungen zu definieren, ist eine Differenzierung nach Geschlecht, aber auch nach Art der Beeinträchti- gung erforderlich. TEILHABE BRAUCHT GESUNDHEIT Gleichstellung, Behinderung und Gesundheit sind auf vielfältige Weise miteinander verwoben. Zwar führt nicht jede Behinderung unmittelbar zu ge- sundheitlichen Problemen. Leben mit einer Behin- derung verlangt von den Betroffenen jedoch oft eine permanente Mehrleistung. Dies wird früher oder später gesundheitlich spürbar. Ebenso haben viele chronische Erkrankungen Behinderungen zur Folge. Beispiele sind Muskelkrankheiten, Multiple Skle- rose, chronische psychische Krankheiten und eine Vielzahl seltener Erbkrankheiten. Je nach Art der Behinderung verbringen Betroffene daher viel Zeit im Gesundheitssystem. Aus Sicht der Gleichstellung muss dieses nicht nur barrierefrei zugänglich sein, sondern auch für alle erschwing- lich. Denn Behinderung ist allgemein, besonders aber für Frauen, ein Armutsrisiko. Armut wiederum erhöht nicht nur das Risiko für zahlreiche Krank- heiten, sondern erschwert auch die gesellschaft- liche Teilhabe. VON DER FRAUENGESUNDHEITSFORSCHUNG ZU GENDER HEALTH Mit geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Gesundheit befasst sich seit den 1970er Jahren die Frauengesundheitsforschung, heute «Gender Health» genannt. Zentrales Anliegen war damals das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihren Körper und, damit verbunden, die Emanzipation vom (männlichen) Arzt und Gynäkologen.[23] Frauen mit Behinderungen waren (und sind) im Zusammenhang mit der körperlichen Selbstbe- stimmung besonders stark und in einem weiteren Sinn betroffen als nicht behinderte Frauen: Zum einen mussten sie auch ausserhalb der Gesund- heitsversorgung immer wieder erleben, dass andere über ihren Körper bestimmten und ihnen dabei auf vielfältige Art Gewalt antaten. Im Gesundheits­ system ging es zum anderen oft darum, ihre körper- lichen Auffälligkeiten mit allen Mitteln der Heil- kunst zu korrigieren – auch dann, wenn sie selbst das nicht wollten. Frauen mit sogenannt geistiger Behinderung wurden häufig sterilisiert. Allgemein sprach man den Frauen eine weibliche Identität 36 EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN AUSGEWÄHLTE LEBENSBEREICHE UND THEMEN

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