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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

39 Gleichstellung im Gesundheitsbereich: Empfehlungen aus Sicht der UNO-Konvention Die folgenden Anregungen basieren auf Erfahrungen von betroffenen Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen und über einen langen Zeitraum. Sie haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.[20, 29] ­­ • Gesundheitsbildung: Junge Frauen und Män- ner mit Behinderungen sollten ebenso wie nicht behinderte Menschen eine geschlechtersensi- ble, barrierefreie Gesundheitsbildung erhalten. Hierzu gehören Themen der Selbstsorge und Prävention (Bewegung, Ernährung, Umgang mit körperlichen und psychischen Belastungen usw.), eine altersgemässe sensible Sexualauf- klärung, die Information über Patientenrechte und Möglichkeiten der Unterstützung. • Sc hlankheitsterror:Mädchen und junge Frauen werden durch das vorherrschende Schönheits- und Schlankheitsideal besonders unter Druck gesetzt. Gerade junge Frauen mit Behinderungen müssen in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden, damit sie sich in ihrem Körper wohl füh- len und ein Verständnis dafür entwickeln, dass sie sexuelle Beziehungen führen können. Frauen mit Behinderungen sollten darin unterstützt werden, sexuellen Missbrauch zu erkennen und sich dagegen zu wehren. • Barrierefreiheit: Präventions- und Schutzan- gebote wie zum Beispiel Frauenhäuser müssen auch für Frauen mit Behinderungen zugänglich und nutzbar sein. Speziell im Hinblick auf die medizinische Versorgung fordern betroffene Frauen: • Sac hwissen:Bei allen Gesundheitsberufen sind Kenntnisse über die spezifischen Bedürfnisse von Frauen und Männern mit Behinderungen in die Ausbildung zu integrieren. Zum Beispiel das Wissen, dass Untersuchungen und Behand- lungen häufig mehr Zeit erfordern. Zudem sollte ausreichend Personal anwesend sein, das so assistiert, dass die Würde und das Wohlbefinden behinderter PatientInnen gewahrt bleiben. • Gynäk ologie:Auch behinderte Frauen im Teen- ageralter müssen die Möglichkeit zu ersten gynäkologischen Gesundheitsleistungen haben. Gynäkologische Untersuchungen sollten nicht an Fachärzte im Bereich der jeweiligen Behinderung delegiert werden, sondern gynäkologische Praxen sollten barrierefrei ausgestattet sein – inklusive anpassbares Untersuchungsmobiliar (Behand- lungstische und -stühle, Mammografiegeräte). • F rauen wie alle: ÄrztInnen und anderem medi- zinischem Personal muss bewusst sein, dass Frauen mit Behinderungen nicht asexuell sind, sondern könnten eine Geschlechtskrankheit haben, ungewollt schwanger sind oder Brust- oder Gebärmutterhalskrebs haben. • V erhütung: Die eigenständige Entscheidung behinderter Frauen zur Verwendung von Metho- den der Familienplanung oder anderen legalen Methoden zur Regulierung ihrer Fruchtbarkeit sollte unterstützt werden. Bei der Wahl des Verhütungsmittels muss ein möglicherweise erhöhtes Thromboserisiko behinderter Frauen bedacht werden. Sterilisationen oder Schwanger- schaftsabbrüche dürfen nur auf Grundlage der freien Einwilligung vorgenommen werden. • Sc hwangerschaft:Für schwangere Frauen mit Behinderungen und ihre Partner müssen spezi- fische Angebote der medizinischen Beratung für Schwangerschaft, Geburt und Nachgeburtsphase zur Verfügung stehen. Die Entscheidungen der Frauen hinsichtlich pränataler Diagnostik sind zu respektieren. • Elt ernbildung und Entlastung: Mütter und Väter mit Behinderungen müssen Zugang erhalten zu Angeboten der Elternbildung sowie zu qualifizierten Entlastungsdiensten.

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