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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

4 EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN VORAUSSETZUNGEN UND RAHMENBEDINGUNGEN Editorial: Gleichstellung ohne Barrieren Menschen sollen weder wegen ihres Geschlechts noch wegen einer Behinderung benachteiligt werden. Für viele Frauen mit Behinderungen ist dieser Anspruch noch nicht eingelöst. Warum ist das so? Und was braucht es, damit sich dies ­ändert? Dieses Dossier beleuchtet bekannte und weniger bekannte Aspekte der Gleich­stellung aus einer ungewohnten Perspektive. Fällt der Begriff «Gleichstel- lung», wird dieser zunächst mit der Gleichstellung von Frau und Mann verbunden. Dafür spricht, dass aktuelle Themen wie Lohn- gleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Vertretung der Geschlechter in Unterneh- men, Hochschulen und Politik und die Bekämpfung häuslicher Gewalt uns alle betreffen. Weniger im Blickpunkt, aber nicht weniger wichtig ist der Anspruch von Menschen mit Behinderungen auf Gleichstel- lung. Dieser Anspruch ist seit 2004 gesetzlich verankert. Das Behindertengleichstellungs- gesetzes (BehiG) setzt einen Schwerpunkt bei Massnahmen, die den Zugang zur Umwelt, zur Infrastruktur und zu Dienstleis­ tungen erleichtern. Gleichstellung geht jedoch wei- ter; das Gesetz zielt darauf ab, Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen, selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben – zum Beispiel in der Arbeit, in der ­Freizeit, in der Bildung, in der Kultur – teilzunehmen. Zwei Mal Gleichstellung – ­haben die beiden Bereiche mehr gemein als nur die Forderung nach Gleichstellung? Selbstver- ständlich! Dies zeigt nur schon ein Blick auf die Themen und Erwartungen, die Frauen mit Be- hinderungen in diesem Dossier formulieren. Es sind die Themen der Gleichstellung von Frau und Mann, nur, dass die Behinderung hinzukommt. Der gleiche Befund lässt sich auch von der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen her formulieren, denn inwieweit eine Behinderung die eigene Biogra- fie beeinflusst, hängt auch vom Geschlecht ab. Die verbreitete Wahrnehmung ist eine andere. Schliesslich ist bei Menschen mit Behinderungen ja scheinbar «alles ganz anders». So anders, dass vielfach aus­ ge­blendet wird, dass sie auch Frauen und Männer sind. Behinderung ist ein enorm starker Filter. Wer behindert ist (und auch wer nicht behindert ist), macht regelmässig die Erfahrung, dass eine Behinderung alle anderen Eigenschaften, die ein Individuum ausmachen, zurücktreten lässt. Gerade auch die Tatsache, Frau oder Mann zu sein. Und wenn dies für einmal nicht geschieht, dann sehen sich Frauen und Männer mit einer Behinderung oft mit denselben Klischeevorstellungen über die Rollen der Geschlechter kon- frontiert wie Frauen und Män- ner ohne Behinderung. Umso wichtiger ist es, auch bei Mass- nahmen zur Gleichstellung der Geschlechter Behinderung als oft mitbestimmenden Faktor zu berücksichtigen. Mit anderen Worten: Es braucht eine umfas- sende Herangehens­weise und abgestimmte, beide Faktoren berücksichtigende Massnahmen. Es ist ein gemeinsames Anliegen «Inwieweit eine ­Be- hinderung die eigene Biografie beeinflusst, hängt auch vom ­Geschlecht ab.»

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