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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

41 schleppt. In der Sprechstunde wurde mir oft klar, dass selbst MedizinerInnen von Paraplegie nur einen blassen Schimmer ha- ben, etwa, wenn sie meinen, ich könne irgendwie selbstständig auf den Untersuchungsschra- gen steigen oder mich liegend in eine andere Position wälzen. Die Augenärztin und der Zahnarzt können mich auch heute nicht im Rollstuhl behandeln, aber sie haben auch keinen Behandlungs- stuhl, auf den ich ohne mühselige Umstände wechseln könnte. Frauenärzt­Innen oder Chirur- gInnen tasten am gelähmten Körper herum und fragen, ob dies oder das wehtue, und ich muss ihnen erklären, dass ich dort wirklich nichts spüren könne. KEINE FRAGE DER FINANZEN Bis heute vermisse ich eine ganzheitliche und selbstver- ständliche «Gesundheitsversor- gung» auch für mich als Frau mit Mobilitäts­behinderung. Dabei ist nicht die Finanzierung das Problem, sondern der einerseits zu häufig fehlende architekto- nische Zugang und anderseits das mangelhafte Wissen und Verständnis der ausserhalb der Paraplegiologie praktizierenden ÄrztInnen und Pflegenden ge- genüber einer Person mit dieser Behinderung. Allzu gerne würden sie mich nämlich in die Obhut der Spezialklinik delegieren, die aber eben nicht das ganze Spektrum der medizinischen Versorgung abdecken kann. Daher bleibe ich, um nicht zwischen Stühle und Bänke zu fallen, vorderhand lieber bei meinem eigenen «Self Managed Care-Modell». Thea Mauchle Gedanken zur Einführung der PID In der Schweiz wird eine Lockerung des Fortpflanzungsmedizin- gesetzes diskutiert. Neu soll die sogenannte Präimplantations- diagnostik (PID) in engen Grenzen auch hier erlaubt sein. Das Thema wirft viele Fragen auf. Überlegungen einer jungen Frau, die mit einer seltenen Erbkrankheit geboren wurde. Stichwort: PID Unter Präimplantationsdia- gnostik PID ist die genetische Untersuchung eines durch künstliche Befruchtung (IVF) entstandenen Embryos zu verstehen. Die PID ermöglicht nicht nur den Nachweis von Erbkrank- heiten. Nebst der Typisierung zur Erzeugung eines sogenann- ten «Retter­babies» und dem Screening nach bestimmten Krankheiten wie zum Beispiel Krebs sind es auch die nicht medizinisch begründeten Anwendungsmöglichkeiten wie Geschlechterselektion oder die Auswahl bestimmter Eigen- schaften, die grosse ethische, psychosoziale und rechtliche Fragen aufwerfen. Während die meisten Länder die PID erlauben, ist sie in der Schweiz unzulässig. Aufgrund immer wieder geführter Diskus- sionen schlägt der Bundesrat nun eine Änderung von Artikel 119 der Bundesverfassung sowie des Fortpflanzungsmedizinge- setzes vor. Diese Änderungen lassen die PID zu, jedoch nur unter sehr restriktiven Bedin- gungen. So darf die Methode zum Beispiel nur angewendet werden, wenn die Übertragung einer in der Familie vorhandenen Erbkrankheit verhindert werden soll. Persönlich befasse ich mich in zweierlei Weise mit dieser The- matik: Einerseits unterstütze ich als Biologin das Ziel der For- schung, die Muster und Gesetze des menschlichen Lebens zu verstehen sowie diese Erkennt- nisse für die Gesundheit des Menschen einzusetzen. Anderer- seits werde ich als Frau mit einer seltenen Erbkrankheit direkt mit Fragen zur PID konfrontiert. WAS BEDEUTET EINE PID FÜR DIE BETROFFENE FRAU? Der Ablauf der PID mit der vorangehenden künstlichen Befruchtung ist für die Frau physisch und psychisch sehr belastend. Die Hormonkur be- wirkt nicht nur eine Aktivierung der Eierstöcke, sondern kann auch Wirkungen auf die Psyche haben, was die Beziehung zum Partner in dieser ohnehin sehr schwierigen Situa­tion zusätz- lich auf eine Probe stellen kann. Zudem liegt die Wahrscheinlich- keit, dass es nach erfolgreicher Befruchtung und Implantation des Embryos zu ­einer Schwan- gerschaft kommt, nur bei etwa 25 Prozent. Manchmal müssen mehrere Zyklen durchgeführt werden, bis eine Frau schwanger wird. Jedoch kann dank der PID

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