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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

52 Frauen mit Behinderungen in den Medien: Begrenztes Rollenspektrum Frauen mit Behinderungen kommen in den Medien regelmässig vor. Im Kontext ­gesellschaftlicher Bedingungen wird allerdings selten über sie berichtet. Doch gerade solche Berichte könnten vermeidbare Benachteiligungen bewusst machen und so einen Beitrag zur Gleichstellung leisten. Es ist längst ein Gemeinplatz: Wir leben in einer Mediengesellschaft. Was wir von der Welt wissen, wissen wir hauptsächlich durch die Massen- medien.[31] Ihr Einfluss auf unsere Vorstellungen von Wirklichkeit ist dort am grössten, wo eigene Erfahrungen zum Vergleich fehlen. Auch unsere Bilder von Behinderung und von Menschen mit Be- hinderungen werden überwiegend aus den Medien gespeist. Diese spiegeln und gestalten die Normen, Werte und Meinungen, die in der Gesellschaft vor- herrschen: Durch die Auswahl der Themen und die Art der Darstellung beeinflussen Medienschaffende sowohl die soziale Konstruktion von Behinderung als auch das gesellschaftliche Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderungen. AUF EINE ROLLE FESTGELEGT «Menschen mit Behinderung werden (…) in eine Rolle gedrängt und auf sie festgelegt», stellt etwa der Publizist und Behindertenpädagoge Christian Mürner zur Bedeutung der Medien fest.[32] VertreterInnen der Bürgerrechtsbewegung «Selbst- bestimmt Leben» (independent living) und der Forschungsrichtung «Disability Studies» haben ver- schiedentlich versucht, die Darstellungsformen von Menschen mit Behinderungen zu kategorisieren.[33] Dabei stiessen sie auf folgende Stereotypen: • der bedauernswerte behinderte Mensch • der bedauernswerte, aber wohlversorgte ­behinderte Mensch • der wundersame behinderte Mensch • der leistungsfähige behinderte Mensch • der «böse», betrügerische, aggressive ­behinderte Mensch • der allzeit fröhliche behinderte Mensch Hinter jedem dieser Klischees steht eine bestimmte Art, Menschen mit Behinderungen zu sehen, über sie zu sprechen und «etwas über sie zu wissen», wobei auch dieses Wissen durch die Medien ge- prägt ist. LEISTUNG ODER SKANDAL Bei den Analysen der Rollenmuster wurde nicht systematisch nach Geschlecht unterschieden. Stichproben aus Schweizer Printmedien der letzten drei Jahre zeigen Frauen mit Behinderungen über- wiegend in zwei Rollen: als Heldin oder als Opfer. Die erste Variante beschreibt tapfere, mutige Frauen, die «trotz» ihrer Behinderung zum Beispiel Höchstleistungen im Sport erbringen, in ferne Län- der reisen, studieren oder im ersten Arbeitsmarkt berufstätig sind. Solche Leistungen dienen als Be- leg dafür, dass die Frauen «ihr schweres Schicksal meistern». Noch mehr Bewunderung wird diesen Frauen zuteil, wenn sie darüber hinaus auch noch Mutter sind. Auf der anderen Seite wird über behinderte Frauen als Opfer von physischer Gewalt oder – weitaus häufiger – als Opfer von skandalöser Behandlung EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN AUSGEWÄHLTE LEBENSBEREICHE UND THEMEN

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