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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

56 EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN BLICK IN DIE ZUKUNFT Fazit: Frauen und Mädchen mit Behinderungen müssen sichtbar werden – als Frauen und Mädchen Die Lebenssituationen von Frauen und von Männern, sowohl mit als auch ohne ­Behinderungen, unterscheiden sich in vielen ­Aspekten. Dessen ungeachtet wird der Diskurs über Behinderung geschlechtsneutral geführt. Umgekehrt ist «Be­hin­derung» in der Geschlechterfrage noch kaum ein Thema. Die Beachtung beider Faktoren könnte zur ­Normalisierung beitragen und der Gleichstellung aller Auftrieb geben. «Integration und Gleichstellung von erwachsenen Menschen mit einer Behinderung bedeutet die Nut- zung von Bauten, Anlagen und Dienstleistungen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Zuständig ist die Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung.»[37] Dieses Zitat auf der Web- seite einer Kantonshauptstadt spiegelt, wie die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen vielerorts verstanden wird: • Die barrierefreie Gestaltung und Renovation von öffentlichen Räumen, Verkehrsmitteln und Dienstleistungen ist das Handlungsfeld. • Organisationen und Fachstellen für Behinde- rungsfragen sind für die Umsetzung zuständig. TRENNUNG MIT FOLGEN So betrachtet, scheint es nur konsequent, dass «Behinderung» im Bereich der Gleichstellung von Frau und Mann praktisch nirgends vorkommt. Um- gekehrt ist bei Organisationen und Fachstellen für Behinderungsfragen die Geschlechtszugehörigkeit der Betroffenen kaum je ein Thema. Diese fast vollständige, auch historisch begründete Trennung der beiden Gleichstellungsthematiken hat für Frauen und für Männer mit Behinderungen Folgen, wie die vorangegangenen Ausführungen über Bildung, Arbeit, Gesundheit, öffentliche Wahr- nehmung und Interessenvertretung zeigen. Beson- ders einschneidend: → Wenig Daten, wenig Handlungsdruck. Über die Lebenssituation und die spezifischen Bedürf- nisse behinderter Frauen und Mädchen in der Schweiz gibt es wenig fundiertes und detail- liertes Wissen. Entsprechend gering erscheint die Notwendigkeit, etwas an ihrer Situation zu ändern. → Unsichtbar und eigenweltlich. Frauen und Mädchen mit Behinderungen kommen entweder gar nicht vor (Forschung und Diskurs über Ge- schlechterverhältnisse; Diskurs über Behinde- rung) oder dann als Menschen ohne Geschlecht, bei denen scheinbar alles ganz anders ist als bei allen anderen (Diskurs über Behinderung). FRAUEN UND MÄNNER SIND UNTERSCHIEDLICH BETROFFEN Um welchen Lebensbereich es auch geht: Zugehö- rigkeiten, Zuständigkeiten und Interessen scheiden sich entlang der Grenzlinie «Behinderung». Bildlich einprägsam dargestellt wird dies seit Jahr und Tag in der Kennzeichnung rollstuhlgängiger Toiletten- Anlagen: Da gibt es die Frau, den Mann und ein Strichmännchen mit Rad. Das kann sich jedes Kind merken. Männer und Jungen sind von dieser Sichtweise na- türlich ebenfalls betroffen, nur trifft es sie teilweise anders als Frauen und Mädchen. Auf die Proble-

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