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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

58 EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN BLICK IN DIE ZUKUNFT matik der geschlechtsneutralen Darstellung (und in der Folge auch Wahrnehmung) von Menschen mit Behinderungen haben betroffene Fachfrauen immer wieder hingewiesen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was Aufwachsen mit einer Behinderung für ein Mädchen bedeuten kann (vgl. Kapitel «Inte- ressenvertretung»). Heute wird bei Kindern und Jugendlichen grosser Wert auf die Förderung ihres Selbstbewusstseins und ihrer Stärken gelegt. Diese Entwicklung schliesst behinderte Mädchen und Jungen ein. Zahlreiche persönliche Schilderungen deuten darauf hin, dass Kinder mit Behinderungen in der Familie heute viel eher akzeptiert werden als früher und dass auch Mädchen vielseitiger gefördert werden. Doch wird es behinderten Mädchen heute auch leichter gemacht als früher, ein positives Körper- und Selbstbild aufzubauen und ihre Identität als Frau zu finden? Wir wissen es nicht.Jedenfalls scheint es immer noch eine häufige Strategie zu sein, körperliche Makel mit intellektuellen Leistungen zu kompensieren. Denn der Druck auf junge Men- schen, schön (und schlank bzw. muskulös) zu sein, ist grösser denn je. Abweichungen vom herr- «Behinder schenden Schönheitsideal waren schen sind für Mädchen und Frauen jedoch und Männschon immer folgenschwerer als für Jungen und Männer, ob behin- schlichte dert oder nicht. lung ist im zu wenig vGENDER ALS KATALYSATOR Um der Stigmatisierung ent- gegenzuwirken und behinderten Jugendlichen die Identitätsfindung zu erleichtern, müssten Men- schen mit Behinderungen daher vermehrt auch als Frauen und Männer sichtbar werden: Zum einen innerhalb der mit Behinderungsfragen befassten Strukturen – Stichwort Gendering Disability. Raum erhalten muss das Thema zum andern aber auch dort, wo es nicht primär um Behinderung geht. Das EBGB hat dies mit einem Themendossier am Bei- spiel der Kultur gezeigt.[38] Als weiterer Ausgangspunkt und zugleich als Katalysator für die Gleichstellung von Frauen und Männern mit Behinderungen bietet sich der Gender- ansatz respektive das Gender Mainstreaming an. Gender Mainstreaming ist heute eine zentrale Strategie der Geschlechtergleichstellungspolitik. te Men- Frauen er. ­Diese Feststel- mer noch erbreitet.» Mainstream bedeutet «Hauptstrom», in diesem Fall ist damit der gesellschaftliche und politisch-insti- tutionelle Alltag gemeint. Gender Mainstreaming will also die Geschlechterfrage in den Alltag herein- holen – so, wie die UNO-Konvention die Behinde- rungsfrage in den Alltag holen will, damit sie dort in allen Bereichen von Anfang verankert ist (Stichwort Inklusion). Warum also nicht das eine mit dem an- deren verbinden und Synergien schaffen? PARALLELEN ZUM DISABILITY MAINSTREAMING Praktisch bedeutet Gender Mainstreaming, dass bei politischen und anderen Massnahmen die unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürf- nisse von Frauen und Männern von vornherein und selbstverständlich berücksichtigt werden müssen. Das Ziel ist, dass keine der beiden Gruppen be- nachteiligt wird und dass vorhandene Ressourcen beider Gruppen gerecht gefördert werden. Wie beim Disability Mainstreaming geht es darum, spezifische Bedürfnisse zu beachten und Chancen­ gleichheit von Anfang an zu gewährleisten, anstatt mit viel Aufwand nachträglich herzustellen. Der Unterschied liegt beim Ausgangspunkt. Darüber hinaus sind sowohl Gender als auch Behinderung zweipolige gesellschaftliche Kon- strukte. Beide sind nicht statisch, sondern werden im Alltag, im Austausch mit anderen Men- schen und Institutionen, immer wieder hergestellt. Sie enthalten nicht nur je einzeln, sondern auch untereinander eine hierarchische Bewertung (männlich – weiblich / nicht behindert – behindert). Und sie haben mit den gleichen Themen zu tun, wie die Bremer Behin- dertenpädagogin und Forscherin Swantje Köbsell gezeigt hat: mit dem Körper, mit Ungleichheit, Iden- tität und Sexualität, mit Autonomie und Lebens- qualität, Strukturen und Machtverhältnissen.[39, 40] BREITERE PERSPEKTIVE – VERTIEFTE KENNTNISSE Der Einbezug der jeweils anderen Perspektive würde sowohl in der Behinderten- als auch in der Gender­arbeit zu neuen Fragen führen und Wissen generieren – nicht zuletzt über die Wirkung von ­bestehenden und geplanten Gesetzen und Mass-

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