Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

6 EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN VORAUSSETZUNGEN UND RAHMENBEDINGUNGEN Frauen mit Behinderungen in der Schweiz: Eine Annäherung Das vorliegende Themendossier ist Frauen mit Behinderungen gewidmet. Doch wer sind diese Frauen? Und was bedeutet Gleichstellung für sie? Um es vorweg zu nehmen: «Die Frauen mit Behin- derungen» gibt es nicht. Behinderte Frauen sind so verschieden und leben so verschieden wie Frauen ohne Behinderungen. Die Zuordnung zur ­einen oder anderen Gruppe ist zudem oft will­kürlich. Wer das Etikett «behindert» trägt, entscheidet sich ent- lang von Merkmalen, die dem gesellschaftlichen Verständnis von «Behinderung» entsprechen: Rollstuhl, Taststock, vom Gewohnten abweichende Körpermerkmale oder ein auffallendes Verhalten, und der Fall scheint klar. Man kann schliesslich sehen, wer behindert ist und wer nicht, wer gesund ist und wer nicht, kurz: wer wohin gehört. EIN PROBLEMATISCHER BEGRIFF Natürlich ist gar nichts klar. Man denke etwa an die zahlreichen unsichtbaren Formen von Behinderung. Oder an die verbreitete, aber falsche Vorstellung «behindert = IV-RentnerIn». Oder an die verschie- denen Denkmodelle, die zwischen «behindert sein» und «behindert werden» unterscheiden (vgl. ­Kasten «Modelle von Behinderung» auf Seite 8). Gemeinsam ist allen Betrachtungsweisen, dass «Be- hinderung» in unserer Gesellschaft ausschliesslich negativ bewertet wird. Die UNO-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (BEHIK; vgl. Seite 18) wird dies möglicherweise ändern. Der Weg dahin ist allerdings noch weit. Sich selbst und andere Menschen aufgrund be- stimmter Merkmale einer bestimmten Gruppe zuzuordnen – der eigenen oder einer fremden – ist Teil der Identitätsbildung. Problematisch wird das Kategorisieren und Klassifizieren, wenn andere bestimmen, wer wir sind und wie wir zu leben haben. Oder wenn ein Merkmal alles dominiert, wie es bei Menschen mit Behinderungen oft geschieht. Mäd- chen und Frauen mit Behinderungen erleben dies teilweise anders als Jungen und Männer mit Behin- derungen. Das vorliegende Dossier zur Gleichstel- lung spürt ihrer spezifischen Situation nach. ETWAS STATISTIK Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, «Behin- derung» wahrzunehmen und zu beschreiben. Das Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachtei- ligungen von Menschen mit Behinderungen (BehiG; vgl. Seite 10) besagt: «In diesem Gesetz ist ein Mensch mit Behinderung (Behinderte, Behinderter) eine Person, der es eine voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verrichtungen vorzu- nehmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fort- zubewegen, sich aus- und fortzubilden oder eine Erwerbstätigkeit auszuüben.» Das Bundesamt für Statistik (BfS) formuliert es ähnlich: Als behindert gelten in der Statistik Per- sonen, die nach eigener Angabe ein dauerhaftes Gesundheitsproblem haben und in ihren Alltags- verrichtungen wenig oder stark eingeschränkt sind. Dieser Definition zufolge leben in der Schweiz ins- gesamt rund 1,2 Millionen Menschen mit einer Be- hinderung – 700 000 Frauen und 500 000 Männer. In der Altersgruppe 15 bis 64 Jahre sind es rund 730 000 Menschen – 410 000 Frauen und 320 000 Männer. Davon sind 135 000 Frauen und 129 000 Männer stark beeinträchtigt.[1]

Seitenübersicht