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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

60 EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN BLICK IN DIE ZUKUNFT Perspektivenwechsel: Keine Angst vor Mehrdimensionalität! Gleichstellung erfordert neben praktischen Massnahmen auch einen wirksamen Rechtsschutz und Vorkehrungen gegen Diskriminierung. ­Dabei rückt das Phänomen der Mehrfachdiskriminierung ins Blickfeld. Die Bundesverfassung verbietet Diskriminierungen. Wer dennoch diskriminiert wird, kann sich auf dieses Verbot berufen. Wird jemand aus mehr als einem Grund diskriminiert, handelt es sich um eine Mehr- fachdiskriminierung (auch multiple oder mehrdimen­ sionale Diskriminierung genannt). Die im Kontext von Behinderung häufig erwähnte «doppelte Diskrimi- nierung» behinderter Frauen ist ein Beispiel. Damit ist stets die Kombination «Frau plus Behinderung» gemeint. Doch auch andere Gründe können für eine Diskriminierung massgebend sein. AUSWIRKUNGEN AUF DIE GLEICHSTELLUNG Gemäss einer Untersuchung der Europäischen Kommission ist Mehrfachdiskriminierung im Sektor Arbeit und Beschäftigung am häufigsten.[41] Gerade hier kommt für Frauen mit Behinderungen (und auch für die meisten anderen Menschen) früher oder später als eventuell entscheidender Aus- schlussgrund das Alter ins Spiel. Auch die ­Herkunft kann ein relevanter Faktor sein. In der Rechtspraxis, aber auch im allgemeinen Diskurs über Diskriminie- rung steht jedoch meist nur ein einzelnes Merkmal im Zentrum. Dieser Umstand hat verschiedene Aus­ wirkungen auf die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, zum Beispiel: → Eingeschränkte Argumentationsgrundlage bei Rechtsfällen: Das Behindertengleichstellungs- gesetz deckt nicht alle Bereiche ab (vgl. Kapitel «Gleiche Rechte, ungleiche Voraus­setzungen», Seite 9). Es ist deshalb oft schwierig, Diskrimi- nierung allein aufgrund des Merkmals Behinde- rung zu beweisen. → Zementierung des Sonderstatus: Ein aus- schliesslich auf das Merkmal Behinderung fo- kussierter Diskurs über Diskriminierung festigt die Gewohnheit, Frauen und Männer bzw. Mäd- chen und Jungen mit Behinderung primär als «Behinderte» und ausserdem als geschlechtslos wahrzunehmen. → Gleichbehandlung von Ungleichem: Wo erwiesene Unterschiede zwischen den Lebensbedingungen, Risiken und Bedürfnissen von Frauen und Män- nern nicht berücksichtigt werden, wird Ungleiches gleich behandelt. Dies kann die Wirksamkeit von Massnahmen zur Gleichstellung einschränken und Gruppen mit erhöhtem Diskriminierungs­ risiko (ungewollt) zusätzlich ausgrenzen. In den vorangegangenen Kapiteln nennt avanti donne für verschiedene Lebensbereiche praktische Massnahmen zur Förderung der Gleichstellung be- hinderter Frauen und Mädchen und empfiehlt, den Fokus sowohl auf Gender als auch auf Behinderung zu richten (vgl. Kapitel «Fazit», Seite 56).

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