Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN IE FRAUEN IM BIILDD ANJA REICHENBACH «Ich bin zielstrebig, habe einen starken Durchhaltewillen und Humor im Umgang mit der Umwelt und mit anderen Menschen», sagt Anja Reichenbach (25) von sich. Stur sei sie manchmal auch, per- fektionistisch und ungeduldig mit sich selbst. Ihre jetzige Tätigkeit als Projektleiterin bei Blindspot, einer Förderorganisation für Kinder und Jugendliche mit und ohne Be- hinderung, ist zugleich ihr Traum- beruf.Dort zu stehen,wo sie heute steht, bezeichnet sie denn auch als ihren bisher grössten Erfolg. Dahinter steckt viel Arbeit: «Ich musste immer wieder beweisen, dass ich auch mit Behinderung ein selbstständiges Leben führen kann. Ich habe oft erlebt, dass ich ein Stück besser sein musste als andere, um gut zu sein. Auch muss ich mich häufig rechtferti- gen, weil meine Seh­behinderung nicht auf den ersten Blick sichtbar ist und meine Selbstständigkeit viele irritiert. Das Bild von Ab- hängigkeit und Hilflosigkeit ist in vielen Köpfen noch tief verankert.» Am wichtigsten für die Gleichstel- lung sei es daher, dass Menschen mit einer Behinderung genauso als Mensch wahrgenommen werden wie andere auch, mit Bedürfnis- sen, Fähigkeiten, Schwächen und Stärken, Träumen und Ängsten. Hier brauche es ein Umdenken an der Basis. Sie selbst fühlt sich zu 80 Prozent gleichgestellt. ELSY B. MOSER Wenn Gleichstellung Wirklichkeit wäre, müsste sie nicht mehr stän- dig beweisen, dass sie intellektuell voll leistungsfähig sei, meint Elsy B. Moser. Die 60-Jährige stellt sich als Kämpfernatur mit positiver Lebenseinstellung vor. Sie könne auch aufbrausend sein. Als Frau mit Psychiatrieerfahrung musste sie besonders dafür kämpfen, dass man sie selbstbestimmt und selbstverantwortlich leben lässt. Sie möchte mit Respekt behan- delt und auf gleicher Augenhöhe wahrgenommen werden und zu denselben Aufgaben und Lebens- qualitäten zugelassen werden wie die unbehinderte Bevölkerung. Gerne hätte Elsy Moser in der Krankenpflege gearbeitet. Für andere da sein, ist ihr wichtig. Deshalb hat sie eine Grund- ausbildung in Peer-Counselling absolviert und sich dann an einer Fachhochschule darin weiterge- bildet. Nun berät und begleitet sie Betroffene ehrenamtlich. Im Auftrag von Kliniken, Institu­tionen usw. referiert sie zudem als Ex- pertin aus Erfahrung in verschie- denen Gegenden der Schweiz. Daneben hat es Platz für viele Interessen: Elsy Moser liest und lernt gerne, spielt Schach, hat Fachwissen über Kakteen und Dackel. Auch soziale Kontakte bedeuten ihr viel. Ihre Gleichstel- lung schätzt sie auf 70 Prozent, jene von Psychiatrie-Erfahrenen generell auf 20 bis 70 Prozent. 62 NADINE TRESCH Fehlende Gleichstellung hat Na­ dine Tresch (34) bei der Arbeits- abklärung erlebt, «weil ich Single und kinderlos bin». Nach ihren Stärken gefragt, sagt sie: «Ich bin gesellig, team­orientiert und engagiert.» Diese Eigenschaften würden aber nicht immer ge- schätzt. Dass sie als hirnverletzte junge Frau oft gute Lösungsideen vorbringe, sei für andere manch- mal ein Problem. «Eine Hirnver- letzung kann dazu führen, dass ein Mensch ganz einfache Dinge nicht mehr kann. Gleichzeitig können bestimmte Stärken, die er vorher schon hatte, nun beson- ders klar hervortreten.» Das sei für viele schwierig zu verstehen. Als Ausgleich dient ihr der Sport: Sie spielt beim FC Insieme Zürich. Dort stehe der Teamgeist im Mit- telpunkt. «Das ist wunderbar.» Nadine Tresch war eine gute Schülerin und machte problem- los die Matur. Als sie 22 Jahre alt war, führte eine Virusinfektion zu einer Hirnentzündung; seither lebt sie mit einer Demenz. «Ich kann mich aber auch heute noch auf meine Intelligenz verlassen», sagt sie, die Mitglied bei MENSA ist, einem Verein für Menschen mit einem IQ ab 130. Sie arbeitet in der Brunau-Stiftung. Für die Zukunft plant sie ein eigenes Projekt im IT-Bereich, um sinnvolle Arbeit zu schaffen für behinderte Menschen. Geschätzte Gleichstellung:70 Pro- zent, Peers 20 bis 70 Prozent.

Seitenübersicht