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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

CHRISTINE MEYER Christine Meyer (32) hätte gerne die Regelschule besucht, aber Kindern mit Down-Syndrom war dies früher verwehrt. Auch eine Berufsbildung war nicht selbst- verständlich. Sie selber konnte noch die zweijährige IV-Anlehre machen. Dank dieser Grundbil- dung kann sie heute mit etwas Begleitung durch die Familie allein in einem Studio wohnen. Dass diese Ausbildung für Men- schen mit Lernbeeinträchtigung nun aus Spargründen in Frage gestellt ist, findet sie ungerecht. Ebenso, dass sie vom Assistenz- beitrag ausgeschlossen sind. An ihrem jetzigen Arbeitsplatz in einer geschützten Werkstätte gefällt es ihr gut: «Ich schätze meine Arbeit und die Abwechs- lung sehr. Hier werde ich als Frau nicht schlechter gestellt als mei- ne männlichen Kollegen. Der Lohn ist sehr klein, wird aber nach Lei- stung berechnet. Ich verdiene zum Beispiel mehr als mein Freund, weil ich schneller arbeite!» Christine Meyer beschreibt sich als fröhlich, fleissig und hilfs- bereit. Sie reitet, fährt Ski und ist stolz auf die Auszeichnung, die sie im Schwimmen gewonnen hat. Ihr Vorbild ist ihr Freund. Ihre grösste Hoffnung ist eine Heirat mit ihm, und dass sie gemeinsam in einer Wohnung leben können. Gleichstellung erreicht zu 30 bis 40 Prozent (Schätzung der Mutter). JAELLE EIDAM Jaelle Eidam (30) ist überzeugt, dass Mädchen und Frauen mit einer Behinderung einem be- sonderen Diskriminierungsrisiko ausgesetzt sind. Diskriminierung sei häufig mehrdimensional, das heisst, dass Menschen nicht nur aufgrund eines Merkmals be- nachteiligt und ausgeschlossen werden. Und Frauen und Mäd- chen mit Behinderungen böten eben mehrere «Angriffspunkte». Jaelle Eidam sieht sich als offene und kontaktfreudige Person. Sie gehe gerne auf Menschen zu, weil sie sich für die Geschichten, Er- fahrungen und Erlebnisse ande- rer interessiere. Beruflich arbeitet sie als sozio­kulturelle Animatorin mit Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichem sozialen Hin- tergrund. Daneben leitete sie eine Zeitlang avanti girls, den Bereich Mädchen und junge Frauen mit Behinderung von avanti donne. Heute engagiert sie sich im Vor- stand von avanti donne. Zurzeit gilt die Aufmerksamkeit jedoch ganz der bevorstehenden Geburt des ersten Kindes. Wie gut sich die Maxime von der Gleich- stellung in der neuen Situa­tion umsetzen lässt, wird sich bald zeigen. «Dass auch Frauen mit Behinderungen eine Familie haben und berufstätig sind, wird ignoriert. Das muss sich ändern.» Eigene Gleichstellung heute je nach Situation:90 bis 100 Prozent. 63 DANIELA BÜHLER Daniela Bühler (48) lernt gera- de, was es bedeutet, mit einer Behinderung zu leben. Sie hat Literaturwissenschaften stu- diert, wurde dann Journali- stin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Redaktorin bei einer mittelgrossen Tageszei- tung. ­Wegen einer chronischen Krankheit verschlechtert sich ihr Gehör zunehmend. Das ist in einem Beruf, in dem enorm viel telefoniert wird, eine massive Einschränkung. Gleichstellung bedeutet für sie im Moment, nicht auf ihre Be- hinderung reduziert zu werden. «Ich bin immer noch hungrig darauf, mit anderen Menschen Kontakte zu pflegen und Dinge zu lernen und zu erfahren.» Von grosser Wichtigkeit ist ihr in die- sem Zusammenhang, weiterhin am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Bislang hat ihr Arbeit- nehmer viel unternommen, um ihr das zu ermöglichen. «Ich ver- danke meiner Firma sehr viel», sagt sie. Die Erfahrung der Behinderung hat sie vermehrt auch den Kon- takt zu anderen Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen suchen lassen. Wie stark die Hörbehinderung sie bei der mündlichen Kommu- nikation im Alltag benachteiligt, hängt von der Situation und der Umgebung ab.

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