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Gleichstellungsbericht Frauen mit Behinderungen in der Schweiz

EBGB THEMENDOSSIER FRAUEN DIE FRAUEN IM BILD FABIENNE WEISS «Wenn ich etwas will, dann setze ich das auch um», sagt ­Fabienne Weiss von sich. Das gilt auch für den Beruf: Nach einer Aus- bildung als Hochbauzeichnerin nahm sie das Biologiestudium in Angriff und schloss mit dem Ma- ster in Molecular Life Sciences ab. Die zurückhaltend wirkende Mittdreissigerin wandert und reist gerne, aus Freude und «um die Welt, die Natur und die Men- schen zu verstehen». Mit Fragen der Gleichstellung konnte sich Fabienne Weiss über ihre persönlichen Erfahrungen hinaus in einem Praktikum beim EBGB vertraut machen. Ihre Einschätzung: «Je nach Art und Schweregrad der Behinderung zeigt sich die fehlende Gleichstel- lung in allen in diesem Dossier behandelten Lebensbereichen. Ein weiterer Bereich ist sicher auch das Thema Beziehung und Familie.» Ansätze zur Gleichstel- lung scheinen überall vorhanden zu sein, doch gibt es noch Pro- bleme bei der Umsetzung. Im Hinblick auf die Zukunft bereitet ihr die Existenz­sicherung Sorgen. Für sich selbst kann sie sich später ein Doktorat in Medizin­ethik vorstellen und viel- leicht auch eine Familie. Heutige geschätzte Gleichstel- lung persönlich und für Frauen mit der selben Behinderungsart: 75 Prozent (Männer: 85 Prozent). HELEN ZIMMERMANN Helen Zimmermann (60) ist eine zurückhaltend wirkende Frau. Dass sie anderen gut zuhören kann, spürt man rasch. «Mit komplizierten Leuten dagegen habe ich wenig Geduld», sagt sie. Helen Zimmermann ist ­vielseitig interessiert. Gerne hätte sie Orgelbauerin gelernt. Sie wurde Lehrerin und später Sozialwis- senschaftlerin. In diesem Beruf arbeitet sie nach wie vor. Daneben ist sie beim Blindenbund in der Mitgliederbetreuung und in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Dass sie kürzlich trotz schwieriger Le- bensumstände ihre Dissertation abschliessen konnte, empfindet sie als ihren schönsten Erfolg. Helen Zimmermann ist Mitglied im Gleichstellungsrat von Egalité Handicap und vertritt dort blinde und sehbehinderte Menschen (vgl. Seite 51). «Es gibt nur wenige Men- schen, die wirklich wissen, was es heisst, mit einer Behinderung leben zu müssen», hat Helen Zim- mermann erfahren. Ein «Rezept», um Vorurteile und den Widerstand gegen Gleichstellung abzubauen, gebe es nicht. «Aber mindestens seit der Einführung des Behin- dertengleichstellungsgesetzes befinden wir uns auf einem Weg, der zwar immer noch schmal und steinig ist, aber langsam begeh- barer wird.» Gleichstellung hängt für sie von der Situation ab: «Zwischen 1 und 99 Prozent ist alles möglich.» 64 SONJA BALMER Ihre Lebenserfahrungen würden Bücher füllen. Drei hat sie selbst bereits geschrieben: «Gedanken sind Früchte», «Atemlos» und «In der Überlebensfalle». Die Bücher haben Sonja Balmer über die Landesgrenze hinaus bekannt gemacht. Die 41-jährige Frau sprüht vor Lebensfreude und Krea­tivität. Sie schreibt nicht nur, sie malt auch, arbeitet gerne mit Ton und Holz, liebt Kinder über alles und interessiert sich für Ethik und Philosophie. Seit der Kindheit begleiten sie eine Muskelschwäche und starke belastungsabhängige ­Schmerzen. Der Grund ist eine progressiv verlaufende Erkrankung der Mitochondrien. Zurzeit lebt Sonja Balmer in einem Pflegezentrum. Dort plant sie ihr Wohnprojekt, um die fremdbestimmenden Strukturen des Heims möglichst bald wieder gegen ein selbstverantwortliches Leben zu tauschen. «Ich werde das Assistenzbudget wahrnehmen und als einer der ersten voll ­beatmeten Menschen in der Schweiz eine 24-Stunden-Betreuung organisie- ren.» Wer sie kennt, weiss, dass sie das schaffen wird. So, wie sie auch den nächsten grossen Traum in die Tat umsetzen wird: mit dem Studium der Humanpsychologie zu beginnen. Auch für Sonja Balmer ist Gleich­ stellung stark ­situationsbezogen. Und sie muss noch viel zu oft selbst dafür besorgt sein.

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