Inhalt
 

Mein Weg

 
  Hallo, ich heisse Gabriela und bin 39 Jahre jung. Seit ich sieben bin, lebe ich mit der Friedreichschen-Ataxie. Die FA ist meine ständige Begleiterin, sie gehört einfach zu mir. Schon sehr früh habe ich angefangen, meine Behinderung zu akzeptieren. Es ging und geht mir sehr gut damit. Ich wollte immer ein ganz normales Leben führen und besuchte bis zur 6. Klasse die öffentlichen Schule. Leider ging das dann nicht mehr, aus mehreren Gründen. Bild Gabi
 


Lehrabschluss und frühe Ehe
Nach der Lehre heiratete ich meinen langjährigen Freund, und wir nahmen uns die erste gemeinsame Wohnung. Wir wollten es so und wussten: Wir schaffen das. Während unserer ganzen Ehe, die neun Jahre dauerte, hatten wir nie grosse Unterstützung und Hilfe. Im Lauf dieser Zeit verschlechterte sich die FA bei mir zusehends, aber trotzdem habe ich immer sehr gerne weitergelebt. Mein damaliger Mann wollte mich dann, neben seiner Arbeit, unbedingt pflegen. Damals war ich noch zu jung, um mich zu wehren. Denn ich wusste genau, dass es auf die Dauer nicht gut gehen kann, wenn ein Partner den andern pflegt.
Mit der Zeit verging die Liebe, so, wie ich es vorausgesehen habe.
Dann lernte ich einen Mann kennen, in den ich mich unsterblich verliebte. Meinem Mann sagte ich das vom ersten Augenblick an. Denn eines wollte ich auf keinen Fall: eine Dreiecksbeziehung. Also liessen wir uns im guten Einvernehmen scheiden.

 

Geblendet vor Liebe
Von nun an führte ich meinen eigenen Haushalt. Ich fühlte mich richtig gut dabei. Die Pflege und den Haushalt übernahm die Spitex, drei Tage in der Woche arbeitete ich in einem Büro. Mein damaliger Freund hat ebenfalls FA. Bei ihm war die Krankheit aber schon weiter fortgeschritten. 2005 entschied er sich, in ein Wohnheim für Körperbehinderte zu ziehen. Und ich war so geblendet vor Liebe, dass ich mein bisheriges selbstständiges, zum Teil schwieriges, aber auch schönes Leben aufgab und ebenfalls in das Heim zog.



Bild Gabi und Hund
 

Im Wohnheim
Am 28. Januar 2006 hab ich alles aufgegeben, meine Freiheit, meine Selbstständigkeit und auch meinen Willen, zu leben. Von Anfang an hatte ich sehr Mühe im Heim. Ich konnte mich nicht anpassen, konnte auch nicht mehr so leben, wie ich wollte. Mir wurde gesagt, wann ich ins Bett gehen, wann ich aufstehen musste, wann und was ich zu essen hatte und noch vieles mehr. Dann kam auch noch dazu, dass mein Freund mit mir Schluss machte. Es ging mir sehr schlecht, meinen Kampfgeist und mein Wille, den ich über all die Jahre aufgebaut hatte, waren am Schwinden. Hilfe bekam ich dann von einem Psychiater.
Die Gespräche mit ihm halfen mir, wieder aus dem tiefen schwarzen Loch herauszufinden. Ich wusste, jetzt fängt ein neues Leben an. Mein Wille war zurückgekehrt!


Ein neues Leben
Als erstes musste ich bei mir anfangen. Ich outete mich als Lesbe. Dabei habe ich Gutes und weniger Gutes erfahren. Nach längerer Suche habe ich eine wahnsinnig liebe Freundin gefunden. Von da an war für mich klar, ich wollte wieder eine eigene Wohnung! Aber es war sehr schwierig. In einer Institution ist man schnell drin, aber raus, ich sage für mich «Endstation», ist schwierig. Ich suchte mit meiner Freundin eine rollstuhlgängige Wohnung, nach kurzer Suche fanden wir eine. Also kündigte ich im Heim. Das gab natürlich ein Gerede, viele Kritiker meinten, ich würde das nicht schaffen, ich solle es mir nochmals überlegen. Aber ich musste nicht überlegen, ich wollte meine Freiheit und meine grosse Liebe!
Seit Juli 2009 wohne ich nun mit meiner Freundin in einer wunderschönen 4,5-Zimmer-Wohnung im Berner Oberland. Die Spitex übernimmt die Pflege. Dann habe ich mit dem EL Flick noch eine private Assistentin eingestellt. Ich bin sehr froh und glücklich, dass ich so einen grossen Kampf auf mich genommen habe, es hat sich wirklich gelohnt.
Aber ohne meinen lieben Schatz Vivi und meine beste Freundin Vero hätt ich das nicht geschafft. Danke, Danke!!!!!!!!!!!