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 Abenteuer Australien: Jetzt oder nie!


Australien, der Rote Kontinent, Ayers Rock, Kängurus, Great Barrier Riff und die interessante Geschichte dieses Landes haben mich neugierig gemacht. Und ein Auslandaufenthalt war ein Traum, den ich verwirklichen wollte.
Durch Friedreich Ataxie bin ich an den Rollstuhl gebunden. Die Ärzte sagen, die Krankheit sei progredient, also wird es schlimmer mit der Zeit. Darum:
Jetzt oder nie!
  6 Wochen Schule, 6 Wochen reisen
Mit einer guten Freundin wollte ich zuerst eine Sprachschule an der Ostküste besuchen. Wir mussten mehrere Reisebüros abklappern, bis wir nur schon eine rollstuhlgängige Schule fanden, ganz zu schweigen von einer passenden Unterkunft.
Die Schule haben wir schlussendlich in Noosa gefunden, einem kleinen Städtchen nahe Brisbane, direkt am Meer. Die meisten Studenten, so auch Erika, meine Freundin, wohnten in einer Gastfamilie. Es war jedoch unmöglich, eine «rollstuhlfreundliche» Gastfamilie für mich zu finden. So wohnte ich schlussendlich in einem Appartement, 20 Busminuten entfernt von der Schule. Da die Busse dort alle rollstuhlgängig sind, war das kein Problem.

Ich hatte ein Visum für 3 Monate, mein Ziel war 6 Wochen Schule, 6 Wochen reisen. Ich flog alleine nach Brisbane, 24 Stunden. Das war lang, aber als ich in Brisbane ankam, wusste ich, es hat sich gelohnt. Die Sonne brannte auf meiner Haut, der Duft des Meeres, die netten Leute… Jedoch muss ich gestehen, zu Beginn Reise hatte ich Panik, gibt es doch in Australien Schlangen, Spinnen und sonst noch viele unheimliche Tierchen, die tödlich sind.

  Mit dem Rollstuhl auf der Sandinsel
Erika traf ich dann am ersten Schultag in Noosa. Die Schule war cool, sehr familiär, tolle Lehrer. Während der Schulzeit machte ich an den Wochenenden meistens Ausflüge: Byron Bay, Australia Zoo, Gold Coast und Fraser Island. Fraser Island ist eine Sandinsel, also nahezu unmöglich mit dem Rollstuhl. Aber Nadja von der Schulleitung machte es möglich, sie rief die Firma an und bettelte, dass ich mit konnte. Rafael, Brasilianer, kam mit als meine Begleitperson, er hat mich huckepack getragen, wenn es nicht anders ging. Wir waren eine Gruppe von elf Leuten, Teamwork war angesagt.

Schwimmen mit Delfinen
Jeder hat mit angepackt und es so möglich gemacht, dass ich beinahe alles von der Insel sehen konnte. Diese zwei Tage auf Fraser Island werde ich nie vergessen, es war etwas Spezielles für alle Teilnehmenden und auch für die Tourguides.
Ein anderes unvergessliches Erlebnis war das Schwimmen mit Delfinen im Seaworld. Dies war ein Kindertraum von mir, den ich mir erfüllen konnte. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, einen Delfin zu streicheln und mit ihm zu spielen. Diese Tiere sind so faszinierend.
Der letzte Schultag rückte näher, und ich wurde langsam nervös. Die Reisezeit begann. Tatsächlich ging wieder ein Traum in Erfüllung, und ich würde sechs Wochen mehr oder weniger alleine quer durch Australien reisen. Heute nenne ich diese Reisezeit Herausforderungs-Zeit.

Bis an die Grenzen und darüber hinaus
Physisch und psychisch überschritt ich zum Teil meine Grenzen. Glücklicherweise kann ich noch ein wenig stehen und wenige Schritte gehen, denn an vielen Orten hatte ich keine rollstuhlgängige Unterkunft oder die Ausflugsziele waren wenig rollstuhlgängig. Jetzt bin ich unglaublich stolz auf mich, dass ich es trotzdem durchgezogen habe.

Zuerst fuhren Erika und ich nach Brisbane und verbrachten dort drei Tage. Nachher flogen wir nach Airlie Beach, wo wir einen Segeltörn im Whitsunday / Great Barrier Reef gebucht hatten. Das Segelschiff war total nicht rollstuhlgängig, aber wir wussten das und Erika war bereit, mir zu helfen. Mit meiner momentanen körperlichen Verfassung war das durchaus machbar. Ich robbte zwei Tage auf meinem Gesäss auf dem Segelschiff umher, was sehr anstrengend war. Leider mussten wir nach zwei Tagen Segeln umkehren, da ein Zyklon auf uns zukam. Zurück in Airlie Beach, verabschiedete ich mich von Erika, die den Weg zurück in die Schweiz antrat.


2000 Kilometer durch die Wüste
Ich fuhr dann mit dem Bus weiter nach Cairns, zum Schnorcheln nach Green Island und in den Regenwald ans Cape Tribulation. Dann traf ich eine Kollegin aus der Schule, mit der ich nach Alice Springs flog. Zusammen machten wir einen Trip nach Adelaide, quer durch dieWüste, 2000 km, 5 Tage, 5 Nächte im Nirgendwo. Wir schliefen unter den Sternen in Swags (Schlafsäcke mit einer dünnen Matratze). Campen in der Wüste war toll, aber sehr anstrengend für mich und meine Begleitperson. Man stösst an Grenzen, da es überall Sand hat, die Toiletten und Duschen überhaupt nicht rollstuhlgängig sind und es sehr heiss ist.


In Adelaide angekommen, ein Tag ausgeruht, gewaschen, aufgeräumt und wieder gepackt, fuhr ich sofort weiter nach Kangaroo Island. Auch da wohnten wir in einem nicht rollstuhlgängigen Steinhaus. Aber mit etwas Spontanität und Flexibilität ging auch das. Kangaroo Island ist einer der schönsten Plätze, die ich bis jetzt gesehen habe. Die Natur, die Tiere, die Strände, alles wurde so gelassen wie es war, nicht touristisch, einfach wild und wunderschön.


Endlich wieder ein richtiges Bett
Nach Kangaroo Island reiste ich weiter nach Melbourne, wo ich Richard Colman, Paralympic Gewinner im Rennrollstuhl, traf. Ich durfte bei seiner Familie wohnen und genoss es, nach all den Strapazen wieder ein richtiges Bett zu haben und duschen zu können. Richard und seine Familie haben viel mit mir unternommen, jeden Tag machten wir Ausflüge im Staat Victoria. Die Great Ocean Road hat mir besonders gut gefallen, diese riesigen Apostel, die aus dem türkisblauen Meer ragen, einfach sehenswert.
Nachher reiste ich von Geelong, Richards Wohnort, nach Melbourne. Dort machte ich Gebrauch von Couchsurfing, das heisst, ich wohnte gratis auf einer Couch eines Rollstuhlfahrers. Auch dieses Erlebnis bleibt unvergesslich.
Richard und seine Kollegen hatten in Perth ein nationales Rennen, ich ging spontan mit und erkundete vier Tage lang Perth und Fremantle. Die Westküste unterscheidet sich klar von der touristischen Ostküste.


Enttäuschende Hauptstadt, tolles Sydney
Leider lief die Zeit viel zu schnell, und ich musste nach Sydney, denn von dort startete mein Heimflug. Von Sydney aus fuhr ich zuerst nach Canberra. Die Hauptstadt Australiens ist eine kleine Stadt mit wichtigen Sehenswürdigkeiten wie Parlamentshouse und Kriegs- Denkmal. Canberra enttäuschte mich allerdings: Gut gelaunt hatte ich mich auf den Weg gemacht, um diese Sight-Seeings anzuschauen, jedoch hatte es nicht mal rollstuhlgängige Busse ...
Endlich in Sydney, ich hatte noch vieles vor: Operahouse, Harbourbridge, Botanical Garden, Chinatown, Tower… Sydney ist toll. Ich habe so vieles gesehen in dieser Millionenstadt!
Der Tag meiner Heimreise rückte näher, aber Sydney gefiel mir so gut, dass ich bleiben wollte. Trotzdem vermisste ich mein Zuhause, meine Familie, meine Freunde und Schweizer Brot.
Als letztes Highlight konnte ich mit dem Airbus A-380 fliegen.

Nun bin ich wieder zuhause. Überglücklich und schon wieder voller Sehnsucht nach fremden Ländern…

Corinne