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Meinungen zur Miss Handicap-Wahl in der Schweiz

Warum kein avanti donne-Preis?

Anstatt eine weitere Miss-Wahl einzuführen, wo es darum geht die Schönheit einer Frau (Körper) zu beurteilen, würdet ihr besser einen jährlichen Avanti Donne Preis vergeben.
Die Kriterien sind dann eben nicht Schönheit, sondern Eigenständigkeit, Mut, Lebensfreude, Leistungsausweis, etc.
Gut zu wissen ist, dass die Misswahl in Amerika 1920 begann, genau in dem Jahr, in dem die amerikanischen Frauen das politische Stimm- und Wahlrecht erhalten haben. Die Frauen haben also endlich die Möglichkeit über Gesetze und Themen mit zu entscheiden, gleichzeitig werden nationale Veranstaltungen durchgeführt, wo junge Frauen auf ihr Aussehen (Körper) reduziert werden.
Die Idee zur Misswahl hatte ein Hotelbesitzer, der seine Bettenbelegung steigern wollte.
Mit einer Miss-Wahl erhoffte er sich Touristen anlocken zu können. Es begann also mit einer kommerziellen Idee. Bis heute hat sich diese Idee enorm verbreitet. Die Kritik wuchs über die Jahre ebenso. Frauen werden einmal mehr auf ihre Äusserlichkeiten reduziert und stellen sich zur generellen Bewertung aus. Dieses Prinzip ist für die Stärkung von jungen Frauen sicherlich nicht der geeignete Ansatz. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Elan bei Ihrer wichtigen Arbeit.
Ursula Lipecki

Anderer Blick

Ich finde es eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass «Schönheit» subjektiv ist und nicht an Normen gebunden. Oder wie das Sprichwort sagt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wer kann die Norm-Missen und Misters denn heute noch voneinander unterscheiden? Da tut ein anderer Blick nur gut. Den Miss-Handicap-Kandidatinnen wünsche ich allen viel Glück.
Sonja Bachmann

Anderer Meinung? Schreiben Sie an → Kontaktstelle avanti donne


Fragen des Sonntags-Blick an avanti donne

Nach Ankündigung der Miss-Handicap-Wahlen gelangte der Sonntags-Blick mit folgenden Fragen an die Geschäftsleiterin von avanti donne:

Wie steht avanti donne zur «Miss Handicap«-Wahl?
Befürworterinnen und Gegnerinnen halten sich ungefähr die Waage. Entscheidend ist, wie jemand generell zu Miss-Wahlen steht: Wer sie gut findet, freut sich auch über eine «Miss-Handicap»-Wahl. Aber auch viele Befürworterinnen fragen: Warum braucht es dazu eine Sonderveranstaltung? Wenn schon, könnte man doch die Kriterien bei den gewöhnlichen Miss-Wahlen ändern.
Ist es der richtige Rahmen, um Behinderungen in der Öffentlichkeit zu thematisieren? Sprich: werden behinderte Frauen in einer solchen Wahl nicht ausgestellt?
Natürlich werden sie ausgestellt. Wer mitmacht, weiss das aber. Begutachtet und bewertet zu werden, ist ja der Zweck von solchen Wahlen – ob die TeilnehmerInnen nun ein Handicap haben oder nicht. Um Behinderungen in der Öffentlichkeit ernsthaft zu thematisieren, sind Sonderwahlen aber nicht geeignet. Das müssen und können sie auch gar nicht. Das ist ein Unterhaltungsabend, mehr nicht. Ich hoffe, dass Frauen und ihre Ausstrahlung im Mittelpunkt stehen und nicht ihr Rollstuhl oder ihr Sehvermögen.

Wo sehen Sie die Probleme oder die Chancen?
Jede Sonderveranstaltung ist eine Ausgrenzung: Dem Publikum erscheint es ganz natürlich, dass Menschen mit Handicap von anderen getrennt behandelt werden. Das erleichtert die Integration im Alltag sicher nicht. Auch werden durch die gezeigten Behinderungen fixe Bilder bestätigt: Die Vorstellung, behindert = Rollstuhl, blind oder geistig behindert, ist weit verbreitet. Doch es gibt auch viele nicht sichtbar Betroffene. Diese haben es oft besonders schwer, anerkannt zu werden. Der gehörlose Mr. Gay ist eine Ausnahme. Aber er sieht sich selber auch nicht als behindert an.

Die Chancen sehe ich auf der individuellen Ebene: Die Teilnehmerinnen zeigen Mut. Sie können sich auf positive Art mit ihrem Körper und ihrer Ausstrahlung auseinandersetzen und erhalten dabei erst noch Hilfe von Profis. Das ist spannend und macht Spass. Zudem ist es eine Wertschätzung, wenn auch leider nur für ganz wenige.

Berichte über eine Miss oder einen Mister mit Handicap können junge Menschen ganz allgemein motivieren, sich positiv(er) zu sehen und das Schöne an sich und an anderen zu entdecken. Das hat jede und jeder.

Anmerkung ad: In der Zeitung wurde die Miss-Handicap-Wahl dann nur im Rahmen eines allgemeinen Artikels über das Miss-Fieber erwähnt. Der Ringier-Verlag, der auch den Sonntags-Blick herausgibt, ist einer Hauptakteure der Norm-Miss-Wahlen....
PDF 60KBArtikel Sonntags-Blick vom 14.12.08 ( 60 kb )